Steigende Ölförderkosten treiben Konsolidierung

19. November 2014, 18:48
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Ölfeldausrüster SBO merkt von Investitionsbremse der Mineralölfirmen noch nichts

Wien - Die Zeit billigen Öls ist vorbei, zumindest was die Förderung des fossilen Rohstoffs betrifft. Lagerstätten, die noch nicht angezapft sind, befinden sich meist in schwer zugänglichen Regionen tief unter dem Meeresboden oder in Gebieten ohne Infrastruktur. "Steigende Kosten treiben die Konsolidierung in der Bohrindustrie," sagte der Chef des Ölfeldausrüsters Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO), Gerald Grohmann, dem Standard.

Jüngstes Beispiel ist die zu Wochenbeginn bekanntgegebene Übernahme der Nummer drei der Branche, Baker Hughes, durch die Nummer zwei, Halliburton. Aus der Fusion wird ein Konzern mit rund 63 Milliarden Dollar (50,5 Mrd. Euro) Umsatz und gut 136.000 Mitarbeitern geformt. Erwartete Kosteneinsparung: zwei Milliarden Dollar - pro Jahr.

Österreichische Firmen entspannt

"Der Konsolidierungsreigen hat Ende der 1990er-Jahre begonnen. Das Geschäft ist kapitalintensiv, die Entwicklung der Bohrtechnologien extrem teuer. Zusammenrücken macht Sinn", sagte Grohmann. SBO mit Sitz in Ternitz (NÖ) ist Weltmarktführer bei Spezialbohrgestängen und beliefert alle maßgeblichen Bohrfirmen, die im Auftrag von Exxon, Shell & Co Öl-und Gasfelder anzapfen.

Die zunehmende Konzentration in der Branche bedeute keine Erschwernis für die Aktivitäten von Schoeller Bleckmann. "Halliburton ist jetzt schon Pi mal Daumen 70- bis 80-mal größer als SBO, nach der Fusion vielleicht hundert Mal, das macht keinen Unterschied mehr", sagte Grohmann.

Schlumberger bleibe mit einem Umsatz von 123 Mrd. Dollar mit Abstand die Nummer eins der Branche. Grohmann: "Wir halten den Preisdruck, wie man an den Margen sieht, ganz gut aus."

3638 Bohrtürme

Bis September hat SBO den Umsatz um 2,3 Prozent auf 356,6 Millionen und den Gewinn (Ebit) um 9,5 Prozent auf 72 Mio. Euro gesteigert. Die weitere Entwicklung zu prognostizieren falle schwer, da alle wichtigen Mineralölkonzerne angesichts des Preisverfalls bei Rohöl Investitionskürzungen angekündigt haben. Noch sei davon aber nichts zu merken.

Das zeigt auch der sogenannte Rig Count: Mit Stichtag 17. November waren weltweit 3638 Bohrtürme aktiv, um 4,6 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. In den USA gab es sogar um 8,6 Prozent mehr Bohrtürme. Wie stark die Zahl bei noch weiter sinkenden Rohölpreisen zurückgeht, wird sich zeigen. (Günther Strobl, DER STANDARD, 20.11.2014)

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