Venezuela: Zara rationiert Kleiderverkauf

20. November 2014, 05:30
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Maximal fünf Kleidungsstücke dürfen Venezolaner bei Inditex pro Monat kaufen. Der spanische Moderiese reagiert damit auf von der Regierung erzwungene Rabatte

Caracas/Granada - Kein Toilettenpapier, keine Deodorants, selbst Antibiotika, Krebsmedikamente und Särge sind knapp geworden. Für Venezuelas Bürger wurden viele Produkte aufgrund der Rationierungspolitik unter Präsident Nicolás Maduro zur Mangelware.

Spaniens Textilgigant Inditex greift mit seinen 25 Standorten der Vertriebslinien Zara, Bershka und Pull & Bear in Venezuela nun zum selben Mittel: Maximal fünf Kleidungsstücke - drei für den Oberkörper, wie Hemden, Shirts oder Pullover, und zwei für den Unterkörper, wie Hosen, Bermudas oder Röcke - dürfen Venezolaner monatlich in den Filialen der Modekette erwerben, berichtet La República. Gegen Vorlage des Personalausweises werden Kunden Nummern zugewiesen, die deren Einkäufe limitieren.

Lange Warteschlangen

Vor Inditex-Geschäften in der Hauptstadt Caracas bilden sich stets enorme Warteschlangen. Sie sind noch länger, wenn neue Lieferungen einlangen. Strategie des Textilgiganten ist es, im Zweiwochentakt neue Kollektionen zu starten. Ab fünf Uhr morgens und bis zu sieben Stunden lang stellen sich dann Caraqueños an, um Textilien zum Schnäppchenpreis zu ergattern. Zwingt doch Maduros Regierung Inditex zu einem 50-Prozent-Rabatt auf alle Waren.

Erschwerte Importe

Anfang 2013 wurde das Schließen der Shops für drei Tage verordnet, weil man dem Konzern vorwarf, "irreführende Angebote" zu machen und Wucher zu betreiben. Heuer blieben Geschäfte wegen geleerter Lager noch öfter geschlossen. Denn rigide Einfuhrbestimmungen und hart reglementierter Devisenhandel erschweren den Import von Neuware.

Nicht selten wird Kleidung lukrativ am boomenden Schwarzmarkt weiterverkauft. Wie auch bei Benzin winken hohe Profite beim Schmuggel nach Kolumbien. Hierbei sollen mittlerweile größere Gewinne erzielt werden als im Drogenhandel. Weder das nächtliche Schließen der Grenzen noch der obligate Fingerabdruck-Scan an der Supermarktkasse gegen Hamsterkäufe oder das Verbot des Straßenhandels mit 40 Waren des täglichen Bedarfs konnten dem Einhalt gebieten.

Schrumpfende Gewinne aus dem Ölgeschäft schmälern die Deviseneinnahmen, die bereits der verstorbene Ex-Präsident Hugo Chávez zur Subventionierung von Lebensmitteln einsetzte. Die Inflationsrate liegt bei über 60 Prozent.

Blühendes Onlinegeschäft

Bei Inditex hingegen blüht vor allem das Onlinegeschäft auf. Der Konzern setzte im Internet 2013 mehr als 553 Millionen Euro um, ein Zuwachs von 42 Prozent.

Wer bei Zara in Venezuela einkauft, muss seinen Personalausweis zücken. Der Einkauf ist limitiert, vor den Filialen wachsen Warteschlangen. (Jan Marot, DER STANDARD, 20.11.2014)

  • Wer bei Zara in Caracas kauft, muss seinen Personalausweis zücken. Kleidung gibt es nur limitiert.
    Reuters / Susana Vera

    Wer bei Zara in Caracas kauft, muss seinen Personalausweis zücken. Kleidung gibt es nur limitiert.

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