Banken begünstigen Unehrlichkeit ihrer Mitarbeiter 

19. November 2014, 19:01
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Aktuelle "Nature"-Studie zeigt: Unternehmenskultur von Geldinstituten fördert Unredlichkeit

Zürich - Banker genießen in der Bevölkerung nicht gerade den Ruf, ein Ausbund an Ehrlichkeit zu sein. Selbst Strafgefangene kamen bei den Befragten in einer aktuellen Studie, die nun im Fachblatt "Nature" erschienen ist, besser weg. Das mag zwar ein Vorurteil sein, doch zeigte sich im Rahmen derselben Studie, dass die allgemeine Meinung über Mitarbeiter von Geldinstituten offenbar gar nicht so weit von der Realität entfernt liegt - zumindest dürfte die Unternehmenskultur in Banken Unehrlichkeit fördern.

Bei dem Experiment, das Alain Cohn von der Universität Zürich gemeinsam mit Kollegen durchgeführt hat, wurden über 200 Bankangestellte zwei Gruppen zugewiesen. Die Forscher befragten die Mitglieder der Gruppe eins hinsichtlich ihrer beruflichen Rolle. Ziel war es, den Bankern ihre professionellen Verhaltensnormen in Erinnerung zu rufen. Bei der Kontrollgruppe kreisten die Fragen um Themen abseits ihres Berufes.

Schummeln beim Münzspiel

Dann nahmen die Testpersonen an einem Laborspiel teil, das zu unehrlichem Verhalten verleitet: Die Studienteilnehmer sollten unbeobachtet zehnmal eine Münze werfen. Jeder Wurf brachte ihnen bei richtigem Ergebnis 20 Dollar ein. Es zeigte sich, dass jene Bankangestellten, denen man ihre berufliche Identität bei der vorangegangenen Befragung in Erinnerung gerufen hatte, signifikant seltener die Wahrheit über ihre tatsächlichen Münzwürfe sagten: Im Schnitt gaben die Banker an, bei 58 Prozent der Münzwürfe das lukrativere Ergebnis erzielt zu haben. Die Mitglieder der Kontrollgruppe kassierten hingegen nur bei 52 Prozent der Würfe die versprochenen 20 Dollar.

Der Effekt beschränkte sich nach Angaben der Forscher auf die Bankmitarbeiter allein. Kontrollexperimente mit anderen Berufsgruppen und Studenten ergaben unter den gleichen Umständen keine beobachtbare Zunahme von unehrlichem Verhalten.

Michel Marechal vom Institut für Volkswirtschaftslehre sieht die Ursache für dieses Resultat vor allem in den vorherrschenden Standards im Finanzsektor: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die sozialen Normen in der Bankenindustrie unehrliches Verhalten eher tolerieren und damit zum Reputationsverlust der Banken beitragen."

Ein Normenwandel hin zur Förderung moralisch einwandfreien Verhaltens sei daher notwendig. Die Wissenschafter könnten sich - etwa in Anlehnung an den hippokratischen Eid der Ärzte - eine Art professionelles Gelübde vorstellen, das durch entsprechendes Ethiktraining und finanzielle Anreize unterstützt wird.

Nicht zuletzt ließe sich damit auch der ramponierte Ruf der Bankmitarbeiter verbessern. Laut der eingangs erwähnten Befragung glaubte nämlich die durchschnittliche Bevölkerung, dass Banker sogar bei 64 Prozent ihrer Münzwürfe zu ihren Gunsten lügen würden. (tberg, DER STANDARD, 20.11.2014)

  • Dagobert Duck gilt als der Inbegriff des gierigen Bankiers. Der schlechte Ruf  der Branche kommt nicht von ungefähr.
    foto: apa/ oliver berg

    Dagobert Duck gilt als der Inbegriff des gierigen Bankiers. Der schlechte Ruf der Branche kommt nicht von ungefähr.

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