Wo der Erste Weltkrieg erst 1915 begann

22. November 2014, 17:00
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Tiroler Landesmuseen bringen große Ausstellung im Ferdinandeum bewusst erst im nächsten Jahr

Innsbruck - Während sich die meisten Kulturinstitutionen heuer anlässlich des Gedenkjahres mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschäftigten, gehen die Tiroler Landesmuseen einen anderen Weg: Man widme sich der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" 2015 mit einer großen Ausstellung im Ferdinandeum, kündigte der Direktor der Landesmuseen, Wolfgang Meighörner.

Die sozial- und kulturgeschichtliche Schau stelle den Höhepunkt des kommenden Ausstellungsjahres dar, erklärte Meighörner. Da der Erste Weltkrieg in Tirol im Jahr 1915 nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich ausgebrochen sei, habe man sich bewusst für 2015 entschieden und könne so "die volle Aufmerksamkeit auf uns ziehen", begründete der Direktor diesen Schritt. Zudem habe man eine "gewisse Überfütterung" angesichts der Vielzahl an Gedenkaktionen im heurigen Jahr festgestellt.

Die Ausstellung

Die Schau "Front - Heimat. Tirol im Ersten Weltkrieg", die vom 8. Mai bis zum 1. November laufen wird, weise keinen militärhistorischen Schwerpunkt auf, meinte Claudia Sporer-Heis, die Kustodin für die Historischen Sammlungen. Man beschäftige sich mit der damaligen Lebenssituation der Soldaten und der Zivilbevölkerung. "Es geht um Phänomene, die den Kriegsalltag bestimmt haben, sowohl an der Front als auch im Hinterland", erklärte Sporer-Heis. Sozialhistorische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte sollen beleuchtet und jene Spuren aufgezeigt werden, die dieses Ereignis hinterlassen habe. "Das Jahr 1914 wird aber auch nicht ausgeklammert", betonte die Kustodin. Einen kleineren Teil der Ausstellung würden auch museale Leihgaben aus dem Privatbesitz bilden.

Auch das Tirol Panorama mit dem Kaiserjägermuseum am Innsbrucker Bergisel widmet sich dem Ersten Weltkrieg und beleuchtet mit der Ausstellung "Krieg an Tirols Grenzen" stark den militärhistorischen Aspekt. Insgesamt warten die Landesmuseen 2015 mit elf Sonderausstellungen und knapp 20 Konzerten auf. Das Volkskunstmuseum beispielsweise geht in einer Ausstellung der Bedeutung von Alltagssymbolen nach. Ende des kommenden Jahres dankt es darüber hinaus mit der Schau "Geschenke und Präsente" den vielen Privatpersonen, die dem Museum die unterschiedlichsten Objekte überlassen haben. Das Zeughaus wiederum setzt 2015 unter anderem auf die Ausstellung "Was Hänschen nicht lernt...", das sich mit der Schule und dem Bildungswesen seit Kaiserin Maria Theresia beschäftigt.

Unterdessen zeigte sich Direktor Meighörner erfreut über die Zahlen-Bilanz des zu Ende gehenden Jahres. Mit insgesamt 330.000 Besuchern rechne man bis Ende 2014 in den vier Museen und der Hofkirche. Bis dato verzeichneten die Landesmuseen eine Steigerung an Besuchern im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent. Nach dem Beschluss der Landesregierung sei auch der Bau eines Sammlungs- und Forschungszentrums auf Schiene. Derzeit werde die Baugenehmigung vorbereitet. Der Spatenstich soll im Frühling 2015 erfolgen, Ende 2017 sei die Inbetriebnahme des Neubaus am Areal des ehemaligen "Landesbauernhofes" in Hall in Tirol vorgesehen. Mit dem Zentrum würden die Sammlungsbestände der Landesmuseen unter einem Dach vereint. (APA/red, derStandard.at, 22. 11. 2014)

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