Gregory J. Markopoulos: Fantasien und ein geliebtes Apartment

19. November 2014, 17:05
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Die Filme des US-Avantgardisten im Filmmuseum

Wien - Vor genau vier Jahren widmete das Filmmuseum dem US-Avantgardisten Robert Beavers eine Werkschau. Mit dem OEuvre von Gregory J. Markopoulos wird nun jener Filmkünstler gewürdigt, der mit Beavers eng verbunden ist: Die beiden waren Partner, im Geiste wie im Leben, 1967 wanderten sie aus den USA nach Europa aus, um fernab aller Gruppierungen und Künstlermilieus ihre noch manuell gefertigten Arbeiten - Markopoulos schnitt bevorzugt mit Rasierklingen - zu realisieren.

Davor trat der 1928 in Ohio geborene Filmemacher allerdings neben Jonas Mekas, Robert Frank und Shirley Clarke als einer der zentralen Autoren des New American Cinema in Erscheinung. Swain (1950), in seiner tranceartigen Stimmung Maya Deren nahe, ist eine von Nathaniel Hawthorne inspirierte mystisch-sexuelle Fantasie - zugleich eine Auseinandersetzung mit eigenen Sehnsüchten.

Homosexuelle Themen findet man auch in Twice a Man (1963) und The Illiac Passion (1967), in denen Markopoulos erneut selbst mitwirkt; der Körper wird in diesen Arbeiten Wahrnehmungsobjekt, er wird in Bruchstücke zerlegt, in der Bewegung gehemmt, aber auch idealisiert.

Der lyrische, dichterische Zugang trifft bei Markopoulos auf große formale Wendigkeit, vor allem in der Montage (auch in jener des Tons) werden seine Filme wirksam. Mit Techniken wie Wiederholungen, Doppelbelichtungen und einer sprunghaften Mise en Scène, die er schon während des Drehs umsetzt, hat er die Verfahren der Avantgarde mitbestimmt. Oft beziehen sich die Arbeiten auf antike Stoffe - in diesem Sinne bleibt er ein Eleve Jean Cocteaus, den er in den 1950er-Jahren kennengelernt hat. Manche Filme bleiben aber auch intim wie Ming Green (1966), eine Ode auf sein New Yorker Apartment.

Seit 1971 hat Markopoulos keine Arbeit mehr veröffentlicht, 1992 ist er gestorben - die Möglichkeiten, sein Werk so komplett zu sehen, sind rar. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 20.11.2014)

Bis 24.11.

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Filmmuseum

  • Angeschnittene Körper, die sich zueinander ausrichten: Szene aus Gregory J. Markopoulos' Film "The Illiac Passion".
    foto: filmmuseum/wasner

    Angeschnittene Körper, die sich zueinander ausrichten: Szene aus Gregory J. Markopoulos' Film "The Illiac Passion".

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