Peilsender an Fischen klingen für Robben wie ein Essensgong

19. November 2014, 13:45
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Britische Studie zeigt einen ungewollten Nebeneffekt einer weit verbreiteten Untersuchungsmethode

London - Das ist eine tragische Ironie: Wenn Forscher Fische mit einem Sender versehen, dann tun sie dies, um mehr über deren Wanderungswege herauszufinden - und jedes so gewonnene Wissen soll letztlich auch dem Artenschutz zugutekommen. Allerdings kann die Maßnahme einen ungewollten Nebeneffekt bewirken, wie eine britische Studie im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" zeigt. Denn nicht nur die Forscher empfangen die vom Sender abgegeben Ultraschallsignale, sondern auch fischfressende Robben. Die markierten Fische werden somit zur leichten Beute.

Frühere Studien hatten bereits die Vermutung erbracht, dass die Töne der Sender, die für die Fische nicht wahrnehmbar sein sollen, von manchen natürlichen Feinden gehört werden können. Die nun veröffentlichte Untersuchung ist aber die erste Studie, die nachweist, dass Robben es sogar lernen können, diese Töne als Zeichen für eine leichte Beute einzuordnen.

Versuch zeigt: Räuber lernen rasch

Für ein Experiment wurden zehn junge Kegelrobben, die zuvor nie mit solchen Sendern in Berührung gekommen waren, in einem Wasserbecken mit zwanzig Kästen ausgesetzt. In die Kästen wurden markierte und unmarkierte Fische nach dem Zufallsprinzip eingesetzt; dann wurden 20 "Fressversuche" gestartet. Nach Angaben der britischen Wissenschafter fanden die Kegelrobben die markierten Fische in den späteren Versuchen schneller. Die Robben hätten somit "die angelernte Nutzung der akustischen Markierung für das Auffinden von Essen" aufgezeigt.

Bei jedem neuen Versuch brauchten die Kegelrobben der Studie zufolge fünf Prozent weniger Zeit, um den Kasten mit dem Sender darin zu finden. Und sie schwammen sehr viel häufiger zu den Kästen mit den markierten Fischen als zu leeren Kästen oder zu Kästen mit Fischen ohne Sender. Die Sender riefen die Tiere zum Essen wie ein Gong.

Weitere Effekte dieser Art zu befürchten

Die Wissenschafter hoben hervor, dass es noch ähnliche Effekte geben könnte, die zumindest Messergebnisse verzerren, sich aber schlimmstenfalls auch ökologisch auswirken könnten. So seien markierte Haie womöglich weniger erfolgreich bei der Jagd nach Beute, wenn Robben oder andere Beutetiere vor dem Signal flüchteten. Daher sollten bei der Nutzung von akustischen Markierungen alle Auswirkungen auf die Umwelt bedacht werden. (APA/red, derStandard.at, 19. 11. 2014)


  • Eine weit verbreitete Vorgehensweise: Man holt einen Fisch kurz aus dem Wasser, führt ein paar grundlegende Messungen durch und versieht ihn mit einem Peilsender, ehe er wieder ausgesetzt wird. Damit lastet man ihm aber eine möglicherweise tödliche Bürde auf.
    foto: ap/willens

    Eine weit verbreitete Vorgehensweise: Man holt einen Fisch kurz aus dem Wasser, führt ein paar grundlegende Messungen durch und versieht ihn mit einem Peilsender, ehe er wieder ausgesetzt wird. Damit lastet man ihm aber eine möglicherweise tödliche Bürde auf.

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