Spekulationen um mysteriösen russischen "Killer"-Satelliten

19. November 2014, 12:03
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Objekt wurde von Russland als Weltraumschrott eingestuft, bewegt sich aber aktiv und präzise

Ein ominöser russischer Satellit sorgt momentan für Aufregung bei Raumfahrtorganisationen, Militär und Amateuren, die als Hobby die Bewegungen von Satelliten aufzeichnen. Denn das Objekt, offiziell als NORAD 39765 markiert, erzeugt mit seinen Aktionen eine Diskrepanz zu Aussagen der russischen Regierung. Diese hatte den Satelliten vergangenen Mai gemeinsam mit anderen Flugkörpern ins Weltall befördert, ohne ihn offiziell anzumelden. Das Objekt sei nur "Weltraumschrott", so Russland. Tatsächlich bewegt sich dieser "Weltraumschrott" aber sehr aktiv und präzise, wird also gesteuert.

Warum geheim?

Deshalb fragen sich viele Beobachter nun, warum Russland den Start eines Satelliten geheimhält. Manche befürchten sogar, dass das Objekt als Waffe fungieren soll – etwa, um die Kommunikation anderer Satelliten abzufangen oder zu stören. Außerdem könnte es sich um einen Prototypen handeln, der andere Satelliten zerstören kann, berichtet der Independent.

Experiment im Weltall?

Laut der Weltraum-Expertin Patricia Lewis handle es sich vermutlich um ein "Experiment im Weltall", das militärische Zwecke verfolge. Das Weltall gilt neben Luft, Wasser und Land als viertes Element der militärischen Kriegsführung, seit den 2000ern stieß auch noch der "Cyberspace" in diese Liste. Forscher warnen schon seit längerem vor einer "Militarisierung des Weltalls", tatsächlich gibt es im Orbit auch eine Vielzahl an geheimen US-Satelliten, die etwa Spionagezwecken dienen oder auch zu Waffen gegen andere Flugobjekte umgewandelt werden können.

Wettrüsten im All

Auch China hat in den vergangenen Jahren aufgerüstet: 2007 konnte Peking einen (eigenen ) Satelliten zu Testzwecken mit Raketen abschießen – ein Jahr, bevor die US-Amerikaner diese Fähigkeit laut Financial Times öffentlich demonstrierten. Chinesische Hacker sollen auch in Systeme von staatlichen US-Wetteraufzeichnungs-Satelliten eingedrungen sein. Russland hatte hingegen sein militärisches Satellitenprogramm offiziell in den frühen 1990ern fallen gelassen, erst 2010 kündigte Moskau öffentlich eine Wiederaufnahme der Bemühungen auf. (fsc, derStandard.at, 19.11.2014)

  • Eine Atlas 5-Trägerrakete bringt einen Satelliten zurGeodaten-Sammlung ins Weltall
    foto: reuters

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  • Kleine Satelliten nahe der Weltraumstation ISS
    foto: apa/epa

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