Uni-Gebäude: Baracken, Glaskästen und Betonkolosse

19. November 2014, 19:00
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DER UNISTANDARD unternimmt eine Rundschau an Baustellen, Ärgernissen und Umwegen an heimischen Unigebäuden.

Alte Wirtschaftsuni als Ausweichquartier:

Die nicht vorhandenen Uhren in den Hörsälen sind noch das geringste Problem - lose Kabel hängen aus den Wänden, es fehlt die Deckenverkleidung, und die Sessel sind einmal zu weit von, einmal viel zu nahe an den Tischen angeschraubt. Das alte Gebäude der Wirtschaftsuni Wien hätte eine Sanierung dringend nötig, was auch Mitgrund für den Umzug im letzten Jahr war.

Der desolate Zustand des Gebäudekomplexes hindert aber andere Hochschulen nicht daran, dort einzuziehen: Aktuell haben Studierende der Uni für Bodenkultur (Boku) in der Spittelau Lehrveranstaltungen - während der Sanierungsarbeiten an der eigenen Uni.

Ernst Eichinger, Sprecher der Bundesimmobiliengesellschaft, die für die Vermietung von Unigebäuden zuständig ist, sieht darin kein Problem. Bauliche Mängel seien ihm keine bekannt. In den vergangenen Monaten kam es öfter zu Brandalarm. "Grund waren im Nahebereich von Rauchmeldern durchgeschmolzene Kondensatoren der Beleuchtungskörper." An einer Lösung werde gearbeitet.

foto: prager
Keine Deckenverkleidung, lose Kabel - die alte WU dient Studierenden der BOKU als Übergangsquartier

Boku-Baracken als langfristiger Übergang:

Der Name des Unigebäudes in der Borkowskigasse im 19. Wiener Bezirk ist Programm: Die Containerbauten sehen eher nach einer Mischung aus Bauernhof und Baustelle als nach Uni aus.

Errichtet wurden die "Baracken" 1993 als Übergangslösung - heute stehen sie noch immer. Die Fläche ist eigentlich als Straße gewidmet. Das sollte sie auch bald wieder sein, wenn es nach der Stadt Wien geht, die den Grund als Provisorium zur Verfügung stellte. Zumindest bis 2017/18, wenn die Restaurierung des Türkenwirts abgeschlossen sein soll, will die Boku bleiben. Die Leistungsvereinbarungen sehen außerdem eine Sanierung des Simony-Hauses vor - "um Konstruktionsmängel zu beheben" - und des Gregor-Mendel-Hauses und Liebig-Trakts, etwa für die Barrierefreiheit, mit der viele Unigebäude ihre Not haben.

foto: trattnig
Eher eine Mischung aus Bauernhof und Baustelle, als Unigebäude: die Boku-Baracken im 19. Bezirk.

Durch das Parkhaus in den Hörsaal: Der Eingang des Instituts für Lebenswissenschaften in der Wiener Althanstraße ist über Stufen zugänglich. Personen mit motorischen Einschränkungen gelangen nur über das Parkhaus ins Gebäude - anders kommt man um die Stiegen nicht herum. Wie in jedem Parkhaus, muss man dort an Autos vorbei.

Dicke Mäntel im Publizistikinstitut:

Auch neue Institute können manchmal Unannehmlichkeiten mit sich bringen - wie das Institut für Publizistik der Uni Wien auf der Währinger Straße. In einem online veröffentlichten "Klagelied" einer Studentin kann man lesen, welche Planungen für Kopfschütteln sorgen: "In den Seminarräumen befinden sich riesige Leinwände, die auf ein Multimedia-Erlebnis hoffen lassen, was aber daran scheitert, dass die Beamer durch die geringe Raumtiefe nur winzig kleine Bilder projizieren."

Das automatische Schließen der Türen zu den Seminarräumen wird ebenfalls kritisiert. Gehe man auf die Toilette, müsse man beim Zurückkommen hoffen, dass die Kollegen drinnen aufmachen. Lässt man die Türen offen, geht nach kurzer Zeit ein lauter Alarm los. Auch die selbstregulierte Heizung nerve: "Im Winter sitzen alle Studenten mit dem dicksten Mantel, den sie finden konnten, in den Seminarräumen."

foto: toppress austria
Das neue Publizistik-Institut in der Wiener Währingerstraße birgt einige Unannehmlichkeiten für Studierende.

Die Glasfront ohne Fenster am Juridicum:

Von außen wirkt das Gebäude der Wiener Jus-studierenden in der Schottenbastei wie ein moderner Glaskasten. Von innen zeigt sich ein anderes Bild: Da die Hörsäle in der Mitte oder im Keller des Gebäudes liegen, sieht man Tageslicht nur in der Bibliothek. Die Seminarräume werden von Neonlicht erhellt. Das WLAN muss man oft ebenso lange suchen wie Strom, beklagen Studenten.

Vom Glaspalast zum Betonkoloss:

Im Jahr 2001 splitterte an der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Uni Innsbruck wegen eines Konstruktionsfehlers im Dachbereich eine Glasscheibe. Was folgte waren siebeneinhalb Jahre Umbauarbeiten in der Universitätsstraße um Kosten von rund zwei Millionen Euro.

Die Glasscheiben wurden auf ein Drittel der ursprünglichen Größe reduziert - so mutierte das Gebäude zum Betonkoloss. Doch das ist nicht das geringste Übel: Es gibt kaum Sitz- oder Lernplätze und am Wochenende keinen barrierefreien Zugang zur geöffneten Bibliothek, weil die Uni, in der sich der Lift befindet, geschlossen ist. (Lara Hagen, Oona Kroisleitner, Alicia Prager, DER STANDARD, 20.11.2014)



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