Israelischer Minister fordert Militäreinsatz in Ostjerusalem

19. November 2014, 14:20
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Wirtschaftsminister Bennett will "Terror-Infrastruktur zerstören" - Haus eines Attentäters gesprengt

Jerusalem - Der israelische Wirtschaftsminister Naftali Bennett hat nach dem Anschlag auf eine Synagoge einen Militäreinsatz im arabischen Ostteil Jerusalems gefordert. Ziel sei es, dort die "Terror-Infrastruktur zu zerstören", sagte Bennett dem israelischen Armeesender.

Der Vorsitzende der ultrarechten Partei "Jüdisches Heim" (HaBayit HaYehudi) sprach sich für einen Einsatz wie 2002 gegen militante Palästinenser im Westjordanland aus. "Wir müssen aus der Defensive in den Angriff übergehen, so wie wir es bei der Operation Schutzschild getan haben", sagte Bennett.

Am Mittwoch fanden sich wieder Dutzende Juden in der Synagoge ein, in der der Anschlag verübt wurde. Unter den Gläubigen sei bei der Morgenandacht am Mittwoch auch Bennett gewesen, berichtete die Nachrichtenseite "Ynet". Der Eingang der Synagoge sei von Sicherheitspersonal bewacht worden.

Anschlag am Dienstag

Zwei Palästinenser aus dem Osten Jerusalems hatten am Dienstag die Synagoge in dem vornehmlich von ultraorthodoxen Juden bewohnten Stadtteil Har Nof gestürmt und fünf Menschen getötet. Als Reaktion hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Dienstagabend angekündigt, dass die Häuser der beiden Angreifer und auch die früherer Attentäter rasch zerstört werden sollen.

Israelische Sicherheitskräfte haben bereits das Haus eines Palästinensers gesprengt, der im Oktober mit seinem Auto an einer Straßenbahnhaltestelle in Jerusalem wartende Passanten überfahren hatte. Das Gebäude sei vor Tagesanbruch zerstört worden, teilten Polizei und Militär mit.

Diese Politik, als Abschreckungsmaßnahme Häuser zu zerstören, in denen die Familien der Attentäter wohnen, ist sehr umstritten. 2005 war diese Vorgehensweise zunächst abgeschafft worden, weil sie nach einer Bilanz der israelischen Armee nicht effektiv war. Nach Anschlägen arabischer Einwohner Ostjerusalems 2008 wurde sie jedoch vom damaligen Ministerpräsidenten Ehud Olmert wieder eingeführt. Potenzielle Attentäter sollen damit abgeschreckt werden, weil sie wissen, welch hohen Preis ihre Familie zahlen muss. Von Menschenrechtsorganisationen wird diese Kollektivstrafe als Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht eingestuft. (APA, 19.11.2014)

  • Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett will mit einem Militäreinsatz in Ostjerusalem die "Terror-Infrastruktur zerstören".
    foto: epa/jim hollander

    Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett will mit einem Militäreinsatz in Ostjerusalem die "Terror-Infrastruktur zerstören".

  • Das zerstörte Haus des Palästinensers, der im Oktober an einer Haltestelle wartende Passanten überfahren hatte.
    foto: reuters/ammar awad

    Das zerstörte Haus des Palästinensers, der im Oktober an einer Haltestelle wartende Passanten überfahren hatte.

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