Revolutionsjahrestag in Tschechien von Protesten überschattet

18. November 2014, 18:00
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Demonstrationen gegen Staatspräsident Miloš Zeman dominierten den 25. Jahrestag der Samtenen Revolution

In Prag wurden am Montag die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Samtenen Revolution in der ehemaligen Tschechoslowakei von Protesten gegen Präsident Miloš Zeman überschattet. Zunächst zeigten tausende Menschen auf einer Kundgebung Zeman symbolisch die rote Karte. Später bewarfen ihn Demonstranten mit Eiern. Der deutsche Präsident Joachim Gauck, der auf dem Podium neben ihm stand, wurde dabei am Kopf getroffen. Zeman war zuletzt wegen seiner als Russland- und China-freundlich geltenden Politik sowie wegen vulgärer Ausdrücke in einem Interview in die Kritik geraten.

Premierminister Bohuslav Sobotka bezeichnete in einer ersten Reaktion jegliche Gewalt gegen das Staatsoberhaupt als inakzeptabel, verurteilte aber auch die polarisierende Rhetorik Zemans: "Der Präsident sollte ein verbindendes Element in der Gesellschaft sein, anstatt die Menschen voneinander zu trennen", meinte der Sozialdemokrat. Am Morgen hatte Sobotka bei einer Kranzniederlegung an die Demonstration des 17. November 1989 erinnert, danach verließ er Prag in Richtung Washington. Dort nimmt er heute, Mittwoch, an der Enthüllung einer Büste von Václav Havel teil, der vor drei Jahren verstarb.

Havel, der ehemalige Dissident und erste nachkommunistische Präsident der Tschechoslowakei, war am Montag auch in Prag Held der Feierlichkeiten. Auf dem Nationalmuseum hängt weithin sichtbar sein Porträt, zahlreiche Menschen in den Straßen trugen sein Konterfei am Revers.

Gedenkkundgebungen

Abseits der offiziellen Veranstaltungen, zu denen Zeman außer Gauck auch die Präsidenten der Slowakei, Polens und Ungarns eingeladen hatte, gab es am Montag in Prag und anderen Städten zahlreiche Gedenkkundgebungen. So veranstalteten etwa Bürgerinitiativen unter dem Titel "Samtener Karneval" eine Prozession über Nationalstraße und Moldaukai, in der sie 25 Jahre Freiheit feierten, aber auch Missstände wie Korruption oder Umweltverschmutzung anklagten. An mehreren Gedenkstätten zündeten Menschen Kerzen an. Etwa 20.000 kamen zu einem Konzert auf dem Wenzelsplatz. (Gerald Schubert aus Prag, DER STANDARD, 19.11.2014)

  • Demonstranten zeigten Staatspräsident Miloš Zeman symbolisch die rote Karte.
    foto: reuters/david w cerny

    Demonstranten zeigten Staatspräsident Miloš Zeman symbolisch die rote Karte.

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