"Das Ende der Geduld": Tod einer Richterin

18. November 2014, 17:39
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Seit dem Tod der deutschen Jugendrichterin Kirsten Heisig 2010 wird über die Ursache spekuliert. Der ARD-Film "Das Ende der Geduld", Mittwoch, 20.15 Uhr, schafft kaum Klarheit

Berlin/Wien – Noch vor Sendestart geht die Kritik mit dem Film "Das Ende der Geduld" hart ins Gericht. Er befeuere Spekulationen, wonach die deutsche Jugendrichterin Kirsten Heisig keines natürlichen Todes gestorben sei. Tatsächlich gibt es seit dem Tod der damals 49-jährigen Berlinerin Skepsis am Selbstmord am 28. Juni 2010.

Im Film (heute, Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD), der sich an das von Heisig verfasste Buch anlehnt, spielt Martina Gedeck die Jugendrichterin Corinna Kleist. Nur der Name ist geändert, ansonsten erzählen Stefan Dähnert (Buch) und Christian Wagner (Regie) die Geschichte der Ber liner Richterin und ihres Einsatzes für ein effizienteres Jugendrecht in Deutschland. Das von ihr erarbeitete "Berliner Modell" ging in die Stadt-, aber auch in die Justizgeschichte ein.

Beim nächsten Mal Gefängnis

Die Zweifel werden von Anfang an gestreut. Es beginnt mit der Nachricht vom Selbstmord Kleists. "Aber das ist schwer zu glauben, für die, die sie gekannt haben", sagt ihr Kollege (Jörg Hartmann).

Vor Kleist sitzt Bille, ein verwahrlostes Mädchen. Beim nächsten Mal drohe Gefängnis, entlässt sie das Kind. Bille liest der Richterin zum Abschied ein Gedicht vor: "Komm nicht wieder", verabschiedet sich Kleist. Bille kommt nicht wieder – aber anders, als die Richterin es gemeint hat.

Schon da will und kann Kleist, die ein Burnout hinter sich hat, nicht zur Tagesordnung übergehen. "Jugendrecht macht Sinn, da kann man noch was verändern", sagt sie. Das kann sie haben. Sie kommt nach Neukölln, in den verrufensten Stadtteil der Bundeshauptstadt.

Jeder Satz wie eine Anklage an das Rechtsystem

Von Anfang an klingt jeder Satz wie eine Anklage gegen das Rechtssystem: "Wie kommt es, dass bei 800 Fällen von Jugendkriminalität hier in Neukölln überhaupt nur acht zur Verhandlung kommen?" Die Justizbeamten ertrinken im Strukturbetrieb, alle sind heillos überlastet. Das ist die Realität. "Das werden wir nun endlich ändern", sagt Kleist. Aber die Hacken fliegen tief unter den Kollegen: "Sie bringen das ganze System durcheinander!" Das tut sie, schert sich nicht um Konventionen, arbeitet mit der Polizeiwache eng zusammen: "Keine kriminelle Laufbahn ist vorprogrammiert. Und das werde ich beweisen."

Letztlich wagt sie zu viel, glaubt, dass sie die Jugendliche retten kann, wo nichts zu retten ist. Zum Beispiel Rafiq (Mohammed Issa), um den sich letztlich die große Niederlage der Kleist ereignet.

Intensiv und kämpferisch gespielt

Martina Gedeck spielt die Richterin intensiv und zu kämpferisch, als dass der Zusammenbruch am Ende nachvollziehbar wäre. Der Tod der Richterin bleibt als großes Rätsel im Raum stehen. In der TV-Biografie kommt die schreckliche Tat so unvermittelt, dass sie tatsächlich kaum zu glauben ist. Das darf sein, schließlich bleiben die Motive einer solchen Tat immer unerklärlich. (Doris Priesching, DER STANDARD, 19.11.2014)

  • Martina Gedeck spielt die Berliner Richterin Corinna Kleist.
    foto: cwp-film / oliver vaccaro

    Martina Gedeck spielt die Berliner Richterin Corinna Kleist.

  • Rafiq (Mohammed Issa) steht vor Gericht.
    foto: br / oliver vaccaro

    Rafiq (Mohammed Issa) steht vor Gericht.

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