Ukraine-Krise: "Keiner weiß, was Putin will"

18. November 2014, 17:15
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Kontroverse Standard-Debatte zu Auswegen aus der Krisensituation

Wien - Einigkeit herrschte am Ende fast nur in einem Punkt: Die Ukraine-Krise ist gefährlich und wird uns noch länger beschäftigen. Sonst stießen bei der von Standard und der Zeitschrift East. European Crossroads Montag in Wien veranstalteten Debatte "Europe and the Ukrainian Crisis: The Way Forward" sehr unterschiedliche Ansichten aufeinander.

East-Herausgeber und Unicredit-Manager Giuseppe Scognamiglio sah neben Russlands Präsidenten Wladimir Putin, "den jetzt alle als Schuldigen sehen wollen", drei weitere "Levels der Verantwortung" für den Beginn der Krise: Das Reform-Versagen der ukrainischen Eliten; die blasse EU-Führung; und "verantwortungslose Aussagen" der Nato über einen mögliche Beitritt Kiews.

Gegenwärtige Krise

Dass er "eine etwas andere Meinung" habe, so Autor und Standard -Kolumnist Paul Lendvai darauf, sei "eine Untertreibung". Es ginge nicht um Vergangenheit – sondern um "eine der schlimmsten Krisen der Gegenwart". Niemand wisse, was KGB-Alumnus Putin, Herrscher über einen 8000-Atomwaffen-Staat, letztlich wolle – "außer, als großer Nationalist in die Geschichte einzugehen". Die Sorge vor einem "eingefrorenen Konflikt" äußerte schließlich Peter Havlik vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Alle Parteien – Ukraine, Russland und EU – litten wirtschaftlich an der aktuellen Lage.

Und der "Weg nach vorn"? Eine Lösung sei nur möglich, wenn die Ukraine Zugriff auf den russischen und den EU-Markt erhalte, so Havlik. Und dann, fügte Scognamiglio an, wenn die EU außenpolitisch mit einer Stimme spreche. Man müsse verhandeln, fand auch Lendvai – "aber mit nicht allzu vielen Illusionen". (mesc, DER STANDARD, 19.11.2014)

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