Medici-Fonds mit Madoff-Masse einig

18. November 2014, 17:05
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Knapp sechs Jahre nach dem Auffliegen des Ponzi-Systems von Bernard Madoff schließen die von Österreich aus gesteuerten Fonds Herald und Primeo einen Vergleich mit dem Masseverwalter

Wien - Lange hat man von den einst klingenden Namen Primeo und Herald nichts gehört. Die von Bank Austria und Bank Medici in der Karibik aufgelegten Fonds zählten zu den großen Geldschleusen, über die riesige Vermögen einer betuchten Klientel in das Imperium von Bernard Madoff flossen. Die einstige Börsenlegende gilt als größter Finanzbetrüger der Geschichte, er fasste 150 Jahre Gefängnis aus.

Dass die Bernard L. Madoff Investment Securities (BLMIS) ein derartiges Milliardenrad drehen konnte, lag an einem ausgeklügelten Netzwerk von Zuträgern, sogenannten Feeder-Funds. Allein über Herald und Primeo sollen 3,2 Milliarden Euro nach New York geflossen sein. Die Investoren schauten nach Auffliegen des Ponzi-Systems durch die Finger.

Madoff-Masseverwalter Irving Picard machte sich mit der Eintreibung von Geldern zur Entschädigung der Investoren einen Namen. Mit einem in der Nacht auf Dienstag verkündeten Deal dürfte sein Topf auf zehn Mrd. Dollar angewachsen sein, womit die Quote der geprellten Investoren auf rund 60 Prozent steigt. Davon kamen 2,6 Mrd. Dollar von der Madoff-Hausbank JPMorgan, die es als Hausbank versäumt hatte, Auffälligkeiten zu melden.

Umfassender Vergleich

Eingebunden wurden nun auch die beiden in Liquidation befindlichen Fonds Herald und Primeo mit Sitz auf den Cayman Islands, die einen umfassenden Vergleich abgeschlossen haben. Das komplexe Vertragswerk sieht, vereinfacht gesagt, folgende Regelung vor: Forderungen von Herald Fund gegenüber BLMIS Customer Fund im Ausmaß von 1,64 Mrd. Dollar, werden vom Masseverwalter anerkannt. Im Gegenzug streift Picard 467 Mio. Dollar von Herald in Cash ein und erklärt damit seine Ansprüche für befriedigt. Primeo hat dabei die Forderungen an Herald abgetreten.

Wer zu den Geschädigten zählt, hat Picard nicht bekanntgegeben. Allerdings sind einige Fälle aus der Vergangenheit in Umrissen bekannt, die über Primeo und Herald bei Madoff gelandet sind. Während in den USA Größen wie Steven Spielberg oder die Eli-Wiesel-Stiftung um viel Geld umgefallen sind, kanalisierten die beiden Fonds Mittel von reichen Russen, Ukrainern oder Israelis. Drehscheibe des Geschäfts war Bank-Medici-Gründerin Sonja Kohn, die hohe Provisionszahlungen erhielt. In einer Anzeige gegen die Bankerin war davon die Rede, dass Kohn 50 Millionen Dollar aus dem Madoff-Geschäft zuflossen.

Ermittlungen laufen weiter

In der Causa ermittelt nach wie vor die Staatsanwaltschaft wegen Untreue und Betrugs. Ebenfalls im Visier der Justiz stehen ehemalige Manager der Bank Austria und andere Personen. Alle Genannten bestreiten die Vorwürfe - es gilt die Unschuldsvermutung.

Gegen Medici und Bank Austria ist Picard bereits mit eine Klage über 19 Mrd. Dollar höchstgerichtlich abgeblitzt, weitere Verfahren laufen aber noch. (as, DER STANDARD, 19.11.2014)

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