Warum Armstrong die Mondlandung vergeigte

18. November 2014, 17:11
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Zwischen bildender Kunst und Musik vermittelt die Ausstellung "With Small Words" in der Kunsthalle Exnergasse

Wien - Als Thomas Edison 1877 den Phonographen, den ersten Tonaufzeichnungsapparat, einweihte, "verewigte" er als Erstes das Kinderlied Mary Had a Little Lamb. Eine bemerkenswerte Entscheidung, findet der Experimentalmusiker David Thomas: Edison hätte der bahnbrechenden Maschine stattdessen auch etwas Bedeutungsschwereres anvertrauen können. In seiner Lecture The Geography of Sound erklärt Thomas, dass man große Ereignisse wohl überhaupt am besten mit "kleinen Worten" begehe - und nennt als Gegenbeispiel Neil Armstrong, der laut Thomas mit zu viel Pathos die Mondlandung vergeigt habe.

Auf diese Überlegungen bezieht sich die Ausstellung With Small Words in der Kunsthalle Exnergasse: Auch in der Kunst sei es so, dass sich "Größe und Leichtigkeit" oftmals durch kleine Gesten einstelle, schreibt Kurator Bernhard Rappold.

Ob man angesichts der versammelten Arbeiten unbedingt von selbst auf diesen Gedanken käme, ist fraglich. Zwingend ist die Zusammenstellung von Objekten, Videos und Installationen nicht. Und recht verschlungen verläuft auch der rote Faden, der die "Beschäftigungen mit Sound und Kunst" verbindet.

Da gibt es etwa ein reizvolles Video des Künstlers Nicolas Jasmin mit dem Titel Das Bad: Ein Mann taucht in der Badewanne unter - und scheint endlose Luftreserven zu haben. Aufgrund der Wasserbewegung merkt man erst nach einiger Zeit, dass hier mit Videoloops nachgeholfen wurde.

Man kann Jasmins Video als Studie zur Zersplitterung der Welt in Filmkader lesen: zu einer Problematik also, deren Grundlage in gewisser Weise Edison schuf, als ihm mit seinem Phonographen die Verwandlung von nicht greifbarem Schall in einen Wachszylinder gelang.

Im engeren Sinne Vermittler zwischen Objektkunst und Musik sind Eigenbaugitarren von Bernhard Rappold. Man kann sie in der Schau ebenso ausprobieren wie eine Heimorgel, die vom Jazzpanoptikum Wien bunt bemalt wurde. Die bildende Kunst hat bei dieser Orgel insofern eine Auswirkung auf den Sound, als ein Farbpatzer zwei Tasten untrennbar miteinander verbunden hat.

Zu den schönen Arbeiten gehört ein Video des türkischen Chors Ha Za Vu Zu, der für große Räume ausgelegte Lautpoesie präsentiert. Fürs Grundrauschen im White Cube sorgt ein Ventilator, dessen Luftstrom sich in Nuria Fustas Installation an einer Gabelung spaltet.

Teil von With Small Words sind neben Musikvideos schließlich auch zwei Konzertbühnenbilder, die am 21. 11. von Künstlern der Schau im Rahmen einer Performance bespielt werden. (Roman Gerold, DER STANDARD, 19.11.2014)

With Small Words, Kunsthalle Exnergasse, Wuk, Währinger Str. 59, bis 20. 12. Performance: 21. 11., 19.00

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Wuk

  • Textur, Struktur, Rhythmus - der Künstler Brent Wadden macht gewissermaßen Musik mit dem Webstuhl.
    foto: w. thaler

    Textur, Struktur, Rhythmus - der Künstler Brent Wadden macht gewissermaßen Musik mit dem Webstuhl.

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