Forscher identifizierten Gleitproteine, die Bakterien zur Fortbewegung dienen

18. November 2014, 16:47
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Bakterium Mycoplasma gallisepticum in der Geflügelzucht gefürchtet - Möglicher Therapieansatz entdeckt

Wien - Viele Bakterien müssen sich fortbewegen, um in für sie optimale Lebensräume zu kommen. Wiener Forscher haben nun jene Proteine identifiziert, die es einem in der Geflügelzucht gefürchteten Erreger ermöglichen, zu gleiten. Diese Gleitproteine könnten ein möglicher Ansatzpunkt für Therapien sein, wie sie im Fachjournal "Veterinary Research" berichten.

Das Bakterium Mycoplasma gallisepticum verursacht chronische Erkrankungen der Atemwege bei Vögeln. Vor allem Hühner- und Putenherden sind von der Tierseuche betroffen. EU-weit müssen Geflügelzuchtbetriebe nachweislich frei von dem Erreger sein. Der Keim ist mit Mycoplasma pneumoniae verwandt, ein Bakterium, das bei Menschen Bronchitis und Lungenentzündungen verursacht.

Hoffnung auf gezielte Ausschaltung

Dass der in der Veterinärmedizin relevante Erreger gleiten kann, ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Ivana Indikova und Michael Szostak vom Institut für Mikrobiologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben nun erstmals herausgefunden, welche Proteine dem Bakterium die Gleitbewegung ermöglichen. "Fehlt dem Bakterium eines dieser drei Proteine, kann es sich nicht mehr eigenständig bewegen", erklärte Szostak.

Sollten unbewegliche Bakterien weniger infektiös sein, wäre dies ein Ansatzpunkt für eine Bekämpfung der Keime. So könnten gezielt Mobilitätsgene der Erreger ausgeschaltet und diese damit ungefährlich gemacht werden. Ein unbeweglicher und damit nicht krankmachender Keim könnte auch Basis für einen neuen Impfstoff sein.

Noch ist nicht klar, auf welche Reize die Erreger beim Gleiten reagieren. Während sich die meisten Mycoplasmen-Arten nicht fortbewegen können, wurden gleitenden Arten bisher nur im Atemtrakt und Genitaltrakt nachgewiesen - also überall dort, wo es einen Schleimfluss in eine Richtung gibt. Möglicherweise "surfen" die Keime gegen diesen Strom, um tieferliegende Körperregionen zu erreichen. Dies wollen die Forscher nun in weiteren Experimenten herausfinden. (APA/red, 18.11.2014)

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