Ökonom "Deutsche Löhne sollen steigen"

18. November 2014, 18:32
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Der deutsche Ökonom Gustav Horn fordert ein dickes Lohnplus, Österreich würde davon laut Wifo-Experte Leoni profitieren

Wien – Wenn es um die Lohn- und Arbeitskostenentwicklung geht, so liegt Österreich im Mittelfeld. Laut Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung sind die Arbeitskosten für die Privatwirtschaft von 2000 bis 2013 jährlich im Schnitt um 2,9 Prozent gestiegen. Österreich liegt hier nach Deutschland auf Platz neun. Allerdings wuchsen diese Kosten hierzulande seit 2008 überdurchschnittlich.

Das heimische Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo hat die Zahlen vom Jahr 2008 bis zum Jahr 2013 in Sachen Warenherstellung analysiert. Demnach sind die Kosten in diesem Zeitraum um 2,5 Prozent gestiegen, von 2012 bis 2013 legten sie um 3,2 Prozent zu. Doch die Arbeitskosten sind ohnedies nur die halbe Wahrheit. In Dänemark liegen sie etwa bei 41 Euro, in Österreich bei 30 und in Deutschland bei 31 Euro. Im Vorjahr sind die Arbeitskosten in Österreich allerdings deutlich schneller als die Produktivität gegewachsen. Unternehmen bauen trotz schwacher Auftragslage kaum Mitarbeiter ab, was ihre Kosteneffizienz schmälert. Laut Wifo stieg die Produktivität pro Kopf vom Jahr 2008 bis 2012 um 2,5 Prozent, von 2012 bis 2013 um 1,1 Prozent. Wifo-Experte Thomas Leoni sieht darin noch kein Problem. "Im Vergleich ist die Lohnstückkostenposition Österreichs in den letzten zehn Jahren relativ konstant geblieben."

Während in Österreich die Lohnzurückhaltung zuletzt etwas geringer ausgefallen ist als in Deutschland, "sollten dort die Löhne jetzt kräftiger steigen", sagt Leoni. Der Wifo-Ökonom schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Gustav Horn.Dem wissenschaftlichen Direktor des IMK geht es viel zu langsam, was höhere deutsche Löhne betrifft. Horn spricht sich für Lohnsteigerungen um "deutlich mehr als drei Prozent" aus.

Das IMK gilt als vehementer Verfechter der Position, dass Deutschland mit seiner Lohnzurückhaltung maßgeblich zum wirtschaftlichen Ungleichgewicht im Euroraum beigetragen hat. Verschafft sich Horn mit seiner Forderung Gehör, so hätte das auch Einfluss auf Österreich. Und das in positiver Hinsicht, weil die Nachbarn einer der größten Absatzmärkte für heimische Betriebe sind. "Österreichs Entwicklung wäre dann tragfähiger", sagt Leoni. Horn sieht indes Österreichs Entwicklung in Sachen Lohn- und Arbeitskosten eher vorbildhaft: "Für den Stabilitätspfad in Europa ist die Entwicklung fast genau richtig." (rebu, DER STANDARD, 19.11.2014)

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