Fast jeder zweite Mann geht zur Vorsorgeuntersuchung

18. November 2014, 11:58
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Von wegen Vorsorgemuffel: 41,6 Prozent der österreichischen Männer lassen sich mindestens einmal in drei Jahren checken

Wien - 41,8 Prozent der Frauen, aber fast genauso viele Männer (41,6 Prozent) in Österreich gehen innerhalb von drei Jahren mindestens einmal zur Vorsorgeuntersuchung. Das belegen die Zahlen aus der größten Gesundheitsbefragung Österreichs durch die Statistik Austria mit 15.500 Teilnehmern und einer Auswertung der MedUni Wien.

"Das zeigt, dass Männer grundsätzlich nicht als Vorsorgemuffel bezeichnet werden sollten", sagt die Sozialmedizinerin Anita Rieder von der MedUni Wien. "Damit liegen wir insgesamt auch im internationalen Vergleich mit Ländern mit ähnlichen Vorsorgeprogrammen sehr gut."

1999 hat die Stadt Wien den international ersten Männer-Gesundheitsbericht veröffentlicht, an dem die Rieder federführend beteiligt war. 15 Jahre später seien die Prioritäten immer noch ähnlich gelagert: Zu viele frühzeitige Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen und Krebserkrankungen, sowie durch Unfälle und Atemwegserkrankungen wie COPD. "Die verlorenen Lebensjahre und damit kürzere Lebenserwartung der Männer sind zudem sehr stark von sozioökonomischen Faktoren abhängig", so die Expertin. Das zeige sich etwa beim Lungenkrebs und anderen, mit Rauchen assoziierten Tumoren besonders deutlich, aber auch bei tödlichen Arbeitsunfällen und Verkehrsunfällen.

Frühe Einbindung wichtig

Zentral sei es, Männer möglichst frühzeitig in die Gesundheitsvorsorge einzubinden, so Rieder. Die Vorsorgeuntersuchung wird in Österreich ab dem 18. Lebensjahr angeboten und ist altersentsprechend aufgebaut. Risikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Rauchen, Diabetes und gesunder Lebensstil sind in den jüngeren Jahren im Fokus, später kommen Krebsfrüherkennungsprogramme dazu. Ob eine prophylaktische Untersuchung auf Prostatakarzinome auch bei symptomlosen Männern ab einem bestimmten Alter sinnvoll sei, bedürfe aber noch wissenschaftlicher Diskussionen.

"Im Vergleich zur Zahl der früh erkannten Prostatakarzinome sind immer noch viele Nachteile für Männer mit dem Test verbunden", so Rieder. Es seien sowohl die Weiterentwicklung des Tests als auch ein konkreteres Protokoll anzustreben, um ein zufriedenstellendes Früherkennungsprogramm, vergleichbar mit dem Mammografie-Screening für Frauen, zu etablieren.

Auch wenn sich im Bereich Männergesundheit in den vergangenen 15 Jahren einiges verbessert habe, seien in punkto Früherkennung und Vorbeugung noch immer Verbesserungen möglich, resümiert die Sozialmedizinerin. "Zudem sollte die psychische Gesundheit mehr in den Mittelpunkt rücken, da Erkrankungen und psychische Belastungen Männer genauso betreffen wie Frauen, auch wenn häufig und vor allem Frauengesundheit mit diesem Thema verbunden wird." (red, derStandard.at, 18.11.2014)

  • Männer hinken Frauen in Österreich kaum hinterher, was medizinische Vorsorgeuntersuchungen betrifft.
    foto: apa/dpa/soeren stache

    Männer hinken Frauen in Österreich kaum hinterher, was medizinische Vorsorgeuntersuchungen betrifft.

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