Kartnig: "Ich bin eh schon vernichtet"

18. November 2014, 15:20
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Ex-Sturm Graz-Präsident erhielt neue Haftstrafe - Festessen im Wiener Hyatt "ein Wahnsinn"

Graz - Es wird noch eine Verlängerung beim Oberlandesgericht und in der Folge beim Höchstgericht geben, für Hannes Kartnig aber scheint das Spiel gelaufen zu sein. "Ich bin eh schon menschlich vernichtet ...", grummelte Kartnig in seinem Schlusswort und nahm anschließend den Urteilsspruch des Richters emotionslos zur Kenntnis.

Nach den vier Jahren und einem Monat Haft, die er in der Vorwoche wegen versuchten Förderbetrugs erhalten hatte, legte Richter Martin Wolf am Dienstag noch sieben Monate drauf. Wegen schweren Betruges im Zusammenhang mit falschen Kartenabrechnungen, von denen Schwarzgeld abgezweigt wurde. Die Bundesliga und der steirische Fußballverband seien um mehr als 77.000 Euro geschädigt worden, weil Sturm geringere Einnahmen angegeben und dadurch weniger Beiträge an den Verband abgeliefert hatte, argumentierte der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und wird von den nächsten Instanzen zu den bereits feststehenden Urteilen hinzugezählt. Daraus wird dann sozusagen "ein gemeinsames Urteil" geformt.

Der Kronzeuge des Prozesses, der ehemalige Kassier, der Kartnig schwer belastet hatte, kam mit einer bedingten Strafe davon.

Was Kartnig wohl erst jetzt wirklich bewusst wurde: Durch das Geburtstagsessen im Nobelhotel Hyatt hatte er sich nicht nur um die Fußfesseln, sondern auch um die Möglichkeit gebracht, das Letzturteil zumindest in "bedingter" Freiheit abzuwarten.

Bis das Höchstgericht letztgültig entscheiden wird, können Jahre ins Land gehen. Kartnig wäre weiters auf - zumindest eingeschränktem - freiem Fuß gewesen und hätte sogar seiner Arbeit nachgehen können. Seine Verteidigung hätte wohl alle rechtlichen Möglichkeiten samt Einsprüchen und Gutachten ausgeschöpft, um Kartnig so lange wie möglich den Haftantritt zu ersparen. Niemand kann heute sagen, wann der Ex-Präsident - Kartnig hatte eine Krebserkrankung - ins Gefängnis hätte müssen.

Jetzt aber, nach dem Festessen im Hyatt, das die Öffentlichkeit empörte und die Justiz zum Handeln zwang, sitzt Kartnig, nachdem man ihm die Fußfessel abgenommen hatte, in der Grazer Justizanstalt hinter Gittern. Es sei ihm nun "sehr bewusst, was er getan hat", dass das Hyatt-Essen "ein Wahnsinn war, darum geht's ihm jetzt auch so schlecht", sagte Anwalt Roland Kier im Standard-Gespräch. Das Gefühl, wirklich Unrechtes getan zu haben, regte sich in Kartnig aber auch am letzten Verhandlungstag nicht. Er bestritt, über die Beiträge an die Liga genau informiert gewesen zu sein, das habe ihn nicht interessiert.

Nach der Urteilsverkündung wird Kartnig, der sich noch einmal kurz zum Gerichtspublikum umdreht, von zwei bewaffneten Wachebeamten in die Zelle geführt. (Walter Müller, DER STANDARD, 19.11.2014)

  • Hannes Kartnig wurde wieder verurteilt.
    foto: apa/hans klaus techt

    Hannes Kartnig wurde wieder verurteilt.

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