"Grand Theft Auto 5" für Egos: Wenn man plötzlich selbst zum Killer und Milliardär wird

18. November 2014, 11:23
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Die neue Ich-Perspektive für die PS4- und XBO-Fassung des Gangsterspiels ändert alles

Heute, Dienstag, ist "Grand Theft Auto 5" für PlayStation 4 und Xbox One erschienen. Auch für viele Spieler der PS3- und X360-Fassung dürften die zahlreichen technischen und inhaltlichen Neuerungen und nicht zuletzt die Möglichkeit, aus der Ego-Perspektive zu spielen, Grund genug sein, noch einmal ins Gangsterparadies abzutauchen.

Vor allem die neue Ego-Perspektive sorgt bei den ersten Testern für besonders viel Aufregung. Denn durch den Perspektivenwechsel wird man plötzlich selbst zum Protagonisten.

Alles anders

Wie die Seite Kotaku in einer Reihe von Ausschnitten sehr eindrucksvoll zeigt, bekommen dadurch sämtliche Aktivitäten (vor allem Verbrechen) einen gänzlich anderen Tenor. Die bisherige Distanzierung durch einen der drei Charaktere Michael, Franklin und Trevor geht weitgehend verloren, sobald man die Welt "mit eigenen Augen" sieht. "Es fühlt sich wie ein komplett anderes Spiel an", so der Autor Kirk Hamilton. Was besonders auffalle: Durch den Perspektivenwechsel wirken einige Spielszenen weit schockierender als zuvor – sei es ein Überfall auf einen Laden oder der Angriff auf einen unschuldigen Passanten oder Sex mit einer Prostituierten. "Das erste Mal, als ich das Feuer auf eine Gruppe Zivilisten eröffnete, war ich schockiert – und 'GTA'-Spiele haben mich schon seit Jahren nicht mehr schockiert. Als ich auf der Straße zu einem Typen lief und ihn mit einer Axt tötete – aus der Ego-Perspektive – konnte ich schon die Schlagzeilen der Abendnachrichten vor mir sehen", schreibt Hamilton.

foto: kotaku
foto: kotaku

Gamespot-Autor Mark Walton versetzt dieser optionale Wechsel in einen Zwiespalt. "Ist es besser, aus der Ich-Perspektive zu spielen und von den Ereignissen in 'GTA 5' auf grundlegendere Weise bewegt zu werden, oder sollte man aus der Sicht des Zusehers spielen und sich so von den kontroversen Momenten des Games distanzieren?" Das satirische Element werde durch die partielle Ausblendung der überzeichneten Protagonisten klar abgeschwächt.

Zweitleben

In jedem Fall könnte die Möglichkeit, selbst zum Protagonisten zu werden dazu, stärker dazu verleiten, "GTA 5" samt Mehrspieler-Modus "GTA Online" als sündhaft satirisches Zweitleben wahrzunehmen, in dem einem Türen offen stehen, die man in der realen Welt entweder nie öffnen könnte oder auch gar nicht öffnen möchte. Wer will schon in seinem echten Leben aus einem Flugzeug springen oder in eine Militärbasis einbrechen und einen Panzer stehlen. Oder wer würde als Börsenspekulant auf die Idee kommen, durch die Ermordung von Konzernchefs innerhalb kürzester zum Milliardär zu werden? In "GTA 5" ist dies alles Teil erwachsener, kreativer Spielfreude – und jetzt noch etwas unmittelbarer. (zw, derStandard.at, 18.11.2014)

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