Statistik-Chef über das Schicksal von Statistiken

Chat19. November 2014, 12:17
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Konrad Pesendorfer will den eingeschränkten Blick auf das BIP ausweiten und schließt eine Verzerrung der Statistiken im Interesse von Auftraggebern aus

Vom Sprichwort "Glaube nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast" hält der Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, nicht viel. "Das wird oft zitiert und dadurch auch nicht besser", sagt er im Chat mit derStandard.at. Er könne ausschließen, dass Statistiken seines Instituts im Interesse von Auftraggebern verzerrt werden würden.

95 Prozent der Statistiken, die die Statistik Austria erstelle, würden auf europäischen Rechtsgrundlagen basieren und auf EU-Ebene diskutiert werden. Die Statistik Austria sei per Gesetz zu Objektivität und Unparteilichkeit verpflichtet. Qualitätsstandards würden regelmäßig von der EU überprüft und "stellen einen Leitfaden für unsere Arbeit dar".

Politiker aller Parteien teilweise auch persönlich zu kennen und damit eine direkte Gesprächsbasis zu haben, sei ein Vorteil. Pesendorfer war ja 2009 wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzler Werner Faymann. "Gleichzeitig betone ich in all diesen Gesprächen unsere Verpflichtung zur Unabhängigkeit und Objektivität, was auch breit anerkannt wird", sagt Pesendorfer.

Dass Kaltmieten nur mit etwa vier Prozent in der Berechnung der Inflation einfließen, nennt er das "Schicksal von Statistiken". Weil die Hälfte der Österreich eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus hätten und daher gar keine Miete zahlen, komme im Durchschnitt eben eine kleine Prozentzahl heraus. Gerade deshalb biete man ja nun auch einen eigenen Inflationsrechner für jedermann an.

Der wurde am Montag um 12 Uhr online gestellt, war aber den ganzen Tag über nicht erreichbar. Die Server waren überlastet. 100.000 Leute hätten versucht, sich ihre persönliche Inflationsrate auszurechnen, sagt Pesendorfer. Das habe die IT der Statistik Austria vor große Herausforderungen gestellt. "Die Experten haben Tag und Nacht gearbeitet und jetzt läuft der Rechner gut."

Er erwartet, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren eine EU-Verordnung kommen werde, damit von allen EU-Staaten vergleichbare Zahlen zur Verteilung der Vermögen vorhanden seien. Die schon vorhandenen Erhebungen der Nationalbank seien hilfreich, "was wir aber brauchen, sind regelmäßige Infos entsprechend den Qualitätsstandards europäischer Statistiken".

Damit man nicht nur auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schauen müsse, um Fortschritt und Wohlstand beschreiben zu können, gebe die Statistik Austria nun "Wie geht's Österreich?" heraus. Dort werden 30 Indikatoren aufgelistet, um "den eingeschränkten Blick auf das BIP alleine" auszuweiten. (red, derStandard.at, 19.11.2014)

ModeratorIn: Schönen guten morgen, liebe User und Userinnen. Die Inflation in Österreich gehört zu den höchsten in der EU. Besonders stark trifft es die Armen. Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, beantwortet ihre Fragen.

Konrad Pesendorfer: Guten Morgen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich hier eine Stunde chatten zu können.

UserInnenfrage per Mail: Gestern habe ich im Standard von unterschiedlichen Inflationsraten für Arme und Reiche gelesen. Warum geben Sie das nicht immer heraus?

Konrad Pesendorfer: Am Montag haben wir erstmal einen persönlichen Inflationsrechner online gestellt. Damit können sie ab sofort ihre persönliche Inflationsrate ausrechnen und verschiedenes Konsumverhalten von einzelnen Haushalten nachbilden. Die offizielle Inflationsrate wird aber nachwievor als Durchschnitt für ganz Österreich berechnet und veröffentlicht.

UserInnenfrage per Mail: „Glaube nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast“ – da ist viel dran, oder?

Konrad Pesendorfer: Ein altes Sprichwort, oft zitiert, dadurch auch nicht besser.

UserInnenfrage per Mail: Es gibt Zahlen und Statistiken für alles und jenen. Was lässt sich aber statistisch nicht erfassen? Oder eh alles?

Konrad Pesendorfer: Vieles im Bereich des subjektiven Empfindens und der dahinter liegenden Motive lässt sich nicht einfach durch Zahlen erfassen. Gleichzeitig macht es sehr wohl Sinn, auch Indikatoren zu entwickeln, die diesen Bereich streifen. Z.B. veröffentlichen wir Zahlen zum persönlichen Gesundheitsempfinden, wissen aber gleichzeitig nicht, ob dieses Empfinden der Realität entspricht oder eben nur eine gefühlsmäßige Momentaufnahme darstellt.

UserInnenfrage per Mail: Der persönliche Inflationsrechner scheint gut zu laufen, am ersten Tag war die Seite gleich down. Haben Sie mit diesem Ansturm gerechnet?

Konrad Pesendorfer: In den ersten 24 h, nachdem der persönliche Inflationsrechner das Licht der Welt erblickt hatte, haben mehr als 100.000 Personen diesen Rechner aufgerufen. Das hat unsere IT vor große Herausforderungen gestellt. Die Experten haben Tag und Nacht gearbeitet und jetzt läuft der Rechner gut. Es freut mich, dass wir ein offenbar so großes Informationsbedürfnis damit abdecken können, und sehe das als einen guten Start für eine Diskussion auf hohem Niveau über Inflation und deren Hintergründe.

UserInnenfrage per Mail: Wer entscheidet eigentlich, was alles in den Warenkorb für die Inflationsberechnung kommt?

Konrad Pesendorfer: Grundlagen für die Zusammenstellung des Warenkorbs sind die alle 5 Jahre stattfindende Konsumerhebung, jährliche Informationen aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, sowie zusätzliche Informationsquellen. Daumenregel ist, dass alles was mehr als 0,1 % der gesamten Konsumausgaben ausmacht in unseren Warenkorb aufgenommen wird. Der Warenkorb wird einmal jährlich aktualisiert.

UserInnenfrage per Mail: Bei der Inflation habe ich einmal gelesen, dass die Mieten nur zu vier Prozent in die Teuerung einfließen. Das kann doch nicht stimmen, ich zahle jedenfalls ein Viertel meines Einkommens für Miete.

Konrad Pesendorfer: Es ist das Schicksal von Statistiken, dass wir bei einer Inflationsrate für ganz Österreich einen Durchschnitt über alle Haushalte und deren Konsumverhalten bilden müssen. Wir haben in Ö 50 % der Haushalte, die in Eigentumshäusern oder Wohnungen leben und daher eine Nullgewichtung von Mietpriesentwicklungen im VPI bräuchten. Andererseits ist der Durchschnittswert von 4 % für Mieter wie sie, natürlich zu niedrig angesetzt. Im Persönlichen Inflationsrechner haben sie ab sofort die Möglichkeit entsprechend ihrem persönlichen Warenkorb Ihre eigene Inflationsrate auszurechnen.

Tintifax der ... Druide!: Werden bei der Berechnung der Inflation in Österreich auch Dinge wie geometrische Gewichtung oder Substitutionseffekte einbezogen?

Konrad Pesendorfer: Wir verwenden imputierte Mieten für Haushalte die im Eigentum wohnen um selbstgenütztes Wohnen zumindestens teilweise in der Inflationsrate mitzuberücksichtigen. Darüberhinaus haben wir internat. abgestimmte Methoden zur Saisonbereinigung stark schwankender Preise, um so Verzerrungen vorbeugen zu können.

jazzfan2010: Beispiel....ein Herr Mateschitz wird im Jahr um Hausnummer 100 Millionen reicher.....10.000 Österreicher haben dafür im selben Jahr jeweils 100 Euro weniger im Börserl/Bank.....sind wir alle laut Statistik in diesem Jahr doch alle reicher geworden..

Konrad Pesendorfer: Sie haben recht, dass man aus Pauschalaussagen und Generalisierungen keine Information gewinnen kann. Deswegen: schauen Sie genau auf die Komponenten und Detailgrößen unserer Statistiken.

Hans Rauscher: Hat die Statistik Austria Zahlen über die Vermögensverteilung analog zu den Studien von ÖNB und AK/Uni Linz ?

Konrad Pesendorfer: Das Thema Vermögensverteilung wird derzeit auf europ. Ebene intensiv diskutiert. Ich erwarte, dass wir in den nächsten 2-3 Jahren eine EU-Verordnung sehen werden, die von allen Mitgliedsstaaten vergleichbare Zahlen zu dieser Thematik einfordern wird. Die Zahlen der OeNB sind hilfreich, aber was wir brauchen, sind regelmäßige Infos entsprechend den Qualitätsstandards europ. Statistiken.

st3inr: Gibt es eine Statistik die zeigt, wieviele Menschen in Österreich arbeitslos sind und in Kursen, Reintegrationsprojekten, sozialökonomischen Betrieben, etc. untergebracht sind? Die offiziellen Arbeitslosenzahlen sind in meinen Augen kaum noch zu geb

Konrad Pesendorfer: Es gibt in Ö zwei zentrale Ziffern zur Arbeitslosigkeit: die eine, internat. vergleichbare Arbeitslosenquote wird nach den Kriterien der ILO berechnet, die andere nationale Arbeitslosenquote spiegelt die Anzahl der um Arbeitslosenunterstützung ansuchenden Personen in Ö wider und wird Monat für Monat vom AMS veröffentlicht. Dort gibt es auch Infos über Personen in Kursen und Weiterbildungsprojekten.

timurinamanu: Die Inflation wird teilweise durch die EZB mit dem Leitzins gesteuert. Die EU besteht aus vielen Ländern mit unterschiedlichsten Inflationsraten. In wie weit ist die derzeitige Entscheidung der EZB (Leitzins 0,05) für Österreich vorteilhaft?

Konrad Pesendorfer: Wir sind derzeit im Euroraum und der EU mit einer stark schleppenden Konjunktursituation konfrontiert, die teilweise in einzelnen Ländern sogar zu rückläufigen Preisentwicklungen führt. Die EZB versucht mit einer außergewöhnlich lockeren Geldpolitik und unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen einer möglichen Deflationsspirale entgegenzuwirken. Durch die enge Vernetzung Ö mit der EU sind diese Maßnahmen auch aus nationaler Sicht wichtig und vorteilhaft.

UserInnenfrage per Mail: Nachfrage zu dem geringen Gewicht von Mieten in der Inflationsberechnung: Wenn Sie imputierte Mieten für Menschen einrechnen, die eine eigene Wohnung haben, warum ist das Gewicht dann trotzdem so niedrig?

Konrad Pesendorfer: Weil dieser Gewichtsanteil nicht in die Kategorie Mieten eingerechnet wird.

Tintifax der ... Druide!: Darf ich nochmal als Follow-up zu den Imputationen: Heißt das, dass auch zB in unserem BSP einberechnet wird, dass sich jeder, der im Eigentum wohnt selbst Miete bezahlt?

Konrad Pesendorfer: Nein, das hat mit der Berechnung des BIP nichts zu tun. Wenn Sie weitere Details wissen wollen, stehen Ihnen meine Experten in der Statistik Austria gerne mit Infos zur Verfügung.

UserInnenfrage per Mail: Ein alter Direktor hat laut Peter Rabl vom Kurier einmal gesagt, die komischen Gewichte bei der Inflation (z.B. so hohe Ausgaben für Möbel wie für Mieten) wurden "politisch festgelegt". Wie viel wird bei der Statistik Austria von der Politik hineing

Konrad Pesendorfer: Ein ganz wesentliches Prinzip unserer Arbeit ist die Objektivität und Unparteilichkeit der von uns veröffentlichten Statistiken. Das Bundesstatistikgesetz stattet uns mit einer starken institutionellen Unabhängigkeit aus, in der Wahl statistcher Methoden bin ich als fachstatistischer Generaldirektor völlig weisengsfrei gestellt und darf auch keine "gut gemeinten Empfehlungen" von der Politik, Interessensvertretungen, oder anderen Institutionen entgegennehmen. Diese Stellung der Unabhängigkeit ist in Ö gut etabliert und findet auch bei Politikern breite Akzeptanz.

UserInnenfrage per Mail: Mit Statistiken wird ja auch Politik gemacht. Wie wappnet man sich gegen manipulierende Statistiken?

Konrad Pesendorfer: Sowohl auf europ. Ebene als auch in unserem Bundesstatistikgesetz sind wir bei der Erstellung von Statisken an Grundsätze wie eben Objektivität, Unparteilichkeit und internatl. Vergleichbarkeit gebunden. Diese Qualitätsstandards werden auch regelmäßig von europ. Seite überprüft und stellen einen Leitfaden für unsere Arbeit dar. Die europ. Grundsätze verpflichten mich sogar dazu, gegen eine Falschinterpretation unserer Statistiken aufzutreten und diese öffentlich richtig zu stellen.

UserInnenfrage per Mail: Wie objektiv können Statistiken tatsächlich sein? Ist nicht schon durch die Fragestellung eine gewisse Richtung vorgegeben?

Konrad Pesendorfer: Die Fragestellungen bei europ. Statistiken - 95 % der Statistiken die wir erstellen basieren auf europ. Rechtsgrundlagen - werden intensiv von Arbeitsgruppen auf EU-Ebene, aber auch von Experten auf nat. Ebene diskutiert. Bevor Fragebögen ins Feld geschickt werden unterliegen sie weiters dem Mechanismus eines Pre-Testings, wo wir etwaige Korrekturen noch vornehmen könnten.

UserInnenfrage per Mail: EZB-Chef Mario Draghi will wegen der unerwünscht niedrigen Inflation im Euroraum die Geldschleusen bei Bedarf weiter öffnen. Sie haben die EZB ja laut Homepage der Statistik einmal beraten. Was halten Sie davon?

Konrad Pesendorfer: Die EZB versucht auf Basis der ihr vorliegenden Informationen Krisenmanagement zu betreiben um weitere Abwärtsentwicklungen bei Preisen und Konjunktur entgegenzuwirken. Wir befinden uns seit geraumer Zeit in einer geldpolitischen Ausnahmesituation und hoffen, dass diese Ausnahmesituation möglichst bald ein Ende findet.

UserInnenfrage per Mail: Der Stress für Europas Banken lässt nicht nach. Die Institute sollen sicherer werden und weniger riskante Geschäfte machen. Was hat das für Folgen für die Banken?

Konrad Pesendorfer: Nicht zu allem, wozu ich als Ökonom eine persönliche Meinung habe, möchte ich als Statistik-Chef Stellung nehmen. Wenn die Maßnahmen der EU-Banken-Union und der Bankenaufsicht der EZB zu mehr Stabilität und Nachhaltigkeit im Finanzsektor beitragen, liegt das in unser aller Interesse.

Loncar: Eine Ihrer Mitarbeiterinnen hat mir mal das Problem an Statistiken erklärt: "I ess zwa Hendln und Sie essen nix. Statistisch gesehen samma beide satt.". Denken Sie, dass eine Gefahr darin besteht, dass die Statistik Österreich instrumentalisiert wer

Konrad Pesendorfer: Wir haben bei Statistik Austria einen Veröffentlichungsgrundsatz, sowie auch die statistischen Quealitätsprinzipien, von denen ich vorher bereits gesprochen habe. Durch diese Rahmenbedingungen kann ich ausschließen, dass unsere Statistiken in ihren Ergebnissen von unseren Auftraggebern prädestiniert würden. Jede Institution, die bei Statistik Austria eine Statistik in Auftrag gibt, muss wissen, dass wir die Entscheidung über die Methodenwahl unabhängig treffen und dass die Ergebnisse dieser Statistik zeitgleich allen Nutzern über unsere Homepage zur Verfügung gestellt werden.

UserInnenfrage per Mail: Wenn man etwas Ahnung von Statistik hat, kommt man leichter durchs Leben – Stichwort: Durchschnitt, Medien, absolute Steigerung, relative Steigerung. Sind die Menschen diesbezüglich ausreichend alphabetisiert?

Konrad Pesendorfer: Kommunikationsarbeit gehört zu einer unserer zentralen Aufgaben. Wir versuchen beispielsweise durch regelmäßige Besuche von Schulklassen in unserem Haus kindern und Jugendlichen bereits sehr frühzeitig die Hintergründe unserer Arbeit zu erklären und näherzubringen. Darüberhinaus versuchen wir durch Instrumente wie den Persönlichen Inflationsrechner, der einzelnen Nutzer/in ein nützliches Instrument in die Hand zu geben, mit dem man auf Basis offizieller Zahlen persönliche Ergebnisse ausrechnen, und damit ein besseres Verständnis für die Hintergründe der Inflationsberechnung entwickeln kann.

timurinamanu: Eine Inflation setzt ein wachstum Voraus, unser ganzes System basiert auf Wachstum. In wie weit hängt die Geburtenquote und die Einwanderung mit der Inflation zusammen, kann man diese beiden Faktoren (vor allem den 2.) beeinflussen, um die Inflation

Konrad Pesendorfer: Der Fokus auf Wirtschaftswachstum greift in jedem Fall zu kurz, wenn man ein umfassenderes Bild von Fortschritt und Wohlstand unserer Gesellschaft zeichnen möchte. Wir haben deswegen das Projekt "Wie gehts Österreich?" ins Leben gerufen, wo wir dem BIP 30 Indikatoren zur Seite stellen, die eben dieses umfassendere Bild abgeben sollen. Dieses Projekt geht auf einem Bericht von den Wirtschaftsnobelpreisträgern Stiglitz/Sen/Fitoussi, sowie auf Diskussionen zurück, die wir im Rahmen der EU-Statistik-Chefs geführt haben und soll den eingeschränkten Blick auf das BIP alleine ausweiten helfen.

ricko_: Laut eurer Studie sinkt (!) die schulische Leistung der Migranten mit der Generation. Gen 1 war daher leistungsstärker als Gen 3, auch die Integration ist daran gekoppelt. Hand aufs Herz: Waren alle (Parteien, Funktionäre,..) glücklich damit, dass d

Konrad Pesendorfer: Die Aufgabe unserer Statistiken ist es nicht, einezlne Personen in ihren Erwartungshaltungen glücklich od. unglücklich zu machen. Unsere Aufgabe ist es, Fakten neutral auf den Tisch zu legen und damit zu informierten Diskussionen und Entscheidungen beizutragen. Unsere starke Unabhängigkeitsstellung gibt uns die Möglichkeit jeden Versuch der Einflussnahme auf Ergebnis od. Veröffentlichung von Statistiken erfolgreich abzuwehren.

timurinamanu: In wie weit hängt die Staatsverschuldung mit der Inflation zusammen, kann man da Zusammenhänge bilden?

Konrad Pesendorfer: Bei Staatsverschuldung gibt es ein Schuldner-Gläubiger-Verhältnis, wie das auch bei privater Verschuldung der Fall ist. Hohe Inflationsraten begünstigen Schuldner - und im Fall der Staatsverschuldung den Staat - insofern, als Schulden in den meisten Fällen ohne Wertsicherungsklauseln zurückgezahlt werden müssen. Dies geht natürlich zu Lasten der Gläubiger, weil ein Teil der Rückzahlungen damit durch Inflation aufgefressen wird.

UserInnenfrage per Mail: Sie waren 2009 Berater von Kanzler Werner Faymann. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm? Wie ist er persönlich? Haben Sie sonst gute Beziehungen zu Politikern?

Konrad Pesendorfer: In meiner derzeitigen Funktion muss ich oft Verhandlungen mit Politikern führen bzw. Statistiken, die für den jeweiligen Aufgabenbereich von Politikern von Relevanz sind, in ihren Hintergründen erklären. In diesem Zusammenhang ist es für mich von Vorteil, Politiker aus allen politischen Parteien teilweise auch persönlich zu kennen und damit eine direkte Gesprächsbasis zu haben. Gleichzeitig betone ich in all diesen Gesprächen unsere Verpflichtung zur Unabhängigkeit und Objektivität, was auch breit anerkannt wird.

ModeratorIn: Die Stunde ist leider viel zu schnell verflogen. Wir bedanken uns bei den Userinnen und User für die spannenden Fragen und bei Konrad Pesendorfer für sein Kommen.

Konrad Pesendorfer: Vielen herzlichen Dank für die vielen interessanten Fragen. Gerne hätte ich noch weiter gechattet. Vielleicht ergibt sich ja demnächst eine neue Gelegenheit.

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