Engländer bringen WM-Boykott ins Gespräch 

17. November 2014, 20:47
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Ex-FA-Chef Bernstein: "Ohne Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und die Niederlande ist "keine ernsthafte WM" möglich"

Englands ehemaliger Verbandschef David Bernstein hat Europas Fußball-Nationen zum gemeinsamen Kampf gegen die FIFA aufgerufen und einen WM-Boykott ins Gespräch gebracht. "Es sind 54 Länder in der UEFA. Es gibt Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und die Niederlande - alle mächtig - und man kann ohne sie keine ernsthafte WM abhalten", betonte Bernstein in einem BBC-Interview.

"Sie haben die Macht, das zu beeinflussen, wenn sie den Willen dazu haben", sagte der frühere FA-Chef für den Fall, dass der Internationale Fußball-Verband (FIFA) keine wirkungsvollen Reformen auf den Weg bringen sollte. Die Turbulenzen rund um die FIFA werden auch am 1. und 2. Dezember in Frankfurt am Main ein Thema sein, wenn der Deutsche Fußball-Bund Gastgeber für andere europäische Verbände ist.

Turnus

"Es ist kein Krisengipfel, sondern ein turnusmäßiges Treffen", betonte Ralf Köttker, Mediendirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Montag. Es seien Diskussionen über Wettbewerbe der Nationalteams und "allgemeine fußballpolitische Angelegenheiten" zu erwarten, teilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) auf Anfrage mit. Es steht das "lange geplante" siebente sogenannte Top-Executive-Programm-Meeting an. Teilnehmen werden die Präsidenten und Generalsekretäre aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Israel, Liechtenstein, Luxemburg, Polen und der Schweiz.

Bei dem Treffen dürfte es wohl auch um den umstrittenen Untersuchungsbericht der FIFA-Ethikkommission zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gehen, auch wenn dieses Thema nicht speziell auf der Agenda steht. Zumal der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball das Urteil der FIFA-Ethikkommission zu den WM-Vergaben nach Russland 2018 und Katar 2022 scharf kritisiert und angedroht hatte: "Eine Option, über die ernsthaft nachgedacht werden müsste, ist sicherlich, dass die UEFA sich von der FIFA löst."

Keine Reaktion gibt es nach den turbulenten Tagen, die die FIFA in ihre größte Glaubwürdigkeitskrise gestürzt haben, von Präsident Joseph Blatter. Der Schweizer bekommt jetzt erneut Druck aus England. Ein von Bernstein angeregter WM-Boykott hätte die Unterstützung der englischen Öffentlichkeit. Dessen ist sich der frühere Chef des Englischen Fußball-Verbandes (FA) sicher, der inzwischen aus der Anti-Diskriminierungs-Kommission der FIFA zurückgetreten ist. Dieses Gremium nannte er ineffektiv.

Konter

Die FIFA bezeichnete Bernstein als "totalitär" und "lächerlich". Sie erinnere ihn als das ehemalige Sowjet-Regime. Die Glaubwürdigkeit des Fußballs habe unter der jetzigen Verbandsführung erheblich gelitten. Die Wahl Katars zum WM-Gastgeber 2022 bezeichnete Bernstein als "die lächerlichste Entscheidung in der Sportgeschichte". Blatter werde so lange an der Spitze stehen, "bis jemand etwas dagegen" tue.

"England allein kann das nicht beeinflussen, ein Land allein kann das nicht. Aber innerhalb der UEFA hat England zweifellos die Macht, etwas zu bewirken. Und dafür muss man auch einen Rückzug von der nächsten WM in Betracht ziehen, sollte die FIFA keine richtige Reform durchführen", führte Bernstein aus. Dies schließe auch ein, dass es für Blatter keine fünfte Amtszeit als FIFA-Präsident gebe.

Bernstein reagierte mit seinen Äußerungen auf die weltweit kritisierten Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission zu den WM-Vergaben 2018 und 2022 an Russland und Katar. Darin war den beiden Ausrichtern kein gravierendes Fehlverhalten bescheinigt worden. (APA/red. 17.11.2014)

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