Spaniens innerer Zwist, Deutschlands Ruhe

17. November 2014, 16:19
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Europameister Spanien baut sich selbst um. Vor dem Duell gegen ein entspanntes Deutschland gibt es dazu noch internen Streit

Vigo/Berlin - Der personelle Umbruch ist mitten im Gange, hinzu kommen interne Unstimmigkeiten: Vor dem Duell gegen Weltmeister Deutschland ist auch die einstige Übermannschaft aus Spanien zum Abschluss des für sie so enttäuschenden Jahres noch einmal unter Zugzwang. Denn genauso wie die DFB-Auswahl ist der Europameister von seiner Topform weit entfernt.

Vor der Begegnung gegen die DFB-Auswahl am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Vigo dominierten vor allem die Querelen um Diego Costa die Schlagzeilen. Der Stürmer des FC Chelsea war von Trainer Vicente del Bosque wegen einer Verletzung nicht für die Begegnungen gegen Weißrussland (3:0) und Deutschland nominiert worden. Nur einen Tag nach der Bekanntgabe des Kaders lief er allerdings in der Premier League im Duell gegen den FC Liverpool auf - und schoss das entscheidende Tor zum 2:1-Endstand. Hinzu kam, dass auch Mittelfeldspieler Cesc Fabregas absagte. Auch er stand gegen Liverpool auf dem Platz.

Hiebe statt Liebe

"Ich würde mir wünschen, dass Spieler sich für die Nationalelf ebenso engagieren wie für ihren Verein", wurde daraufhin Spaniens Abwehrspieler Sergio Ramos zitiert. Doch der Madrilene fühlte sich falsch verstanden. "Als ich über Hingabe sprach, habe ich nicht gemeint, dass diese beiden Spieler keine hätten", sagte er am Sonntag.

Denn die Spanier können interne Streitigkeiten zum derzeitigen Moment überhaupt nicht gebrauchen. Nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Brasilien versucht del Bosque, sein Team neu zu formieren. Bisher nur mit mittelmäßigen Erfolg. Zwar gab es am Samstag in der EM-Qualifikation ein souveränes 3:0 gegen Außenseiter Weißrussland, doch in der Gruppe C verlor der Europameister bereits in der Slowakei und liegt nur auf Platz zwei.

Immerhin: Zuletzt zeigten die hochtalentierten spanischen Nachwuchskräfte wie Isco (22), Koke (22) oder Paco Alcacer (21) starke Leistung und dürften auch gegen Deutschland ihre Chance bekommen. Zudem steht im Tor Francisco Casilla von Espanyol Barcelona vor seinem Länderspieldebüt.

Müdes Schland

Bei den Deutschen stehen ihm im Prestigeduell zum Jahresabschluss nur noch elf Weltmeister zur Verfügung, lediglich vier von ihnen waren im Finale von Rio zum Einsatz gekommen.

Schon nach dem mageren 4:0 gegen Gibraltar kündigte DFB-Teamchef Jogi Löw eine "andere Mannschaft" an, danach sagten in Manuel Neuer und Jerome Boateng zwei Weltmeister ab, zudem bestand das erstmals seit langem praktizierte 3-5-2-System den Test nicht. Löw wird wohl zum 4-2-3-1 zurückkehren. Kapitän wird in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger und seiner Dauer-Vertretung Manuel Neuer diesmal Sami Khedira sein, falls er trotz einer Knöchelverletzung spielen kann. Für den Sturm kündigte Löw den Einsatz des Hoffenheimers Kevin Volland an. (sid/red, 17.11.2014)

Mögliche Aufstellungen

Spanien: Casilla/Espanyol Barcelona (28 Jahre/0 Länderspiele) - Azpilicueta/FC Chelsea (25/9), Bartra/FC Barcelona (23/3), Sergio Ramos/Real Madrid (28/123), Bernat/Bayern München (21/1) - Raul Garcia/Atlético Madrid (28/1), Koke/Atlético Madrid (22/15), Ignacio Camacho/FC Malaga (24/0), Isco/Real Madrid (22/5) - Morata/Juventus Turin (22/1), Paco Alcacer/FC Valencia (21/5)

Deutschland: Weidenfeller/Borussia Dortmund (34 Jahre/4 Länderspiele) - Rüdiger/VfB Stuttgart (21/4), Mustafi/FC Valencia (22/5), Höwedes/Schalke 04 (26/30), Durm/Borussia Dortmund (22/6) - Khedira/Real Madrid (27/52) Kroos/Real Madrid (24/56) - Bellarabi/Bayer Leverkusen (24/3), Müller/Bayern München (25/61), Götze/Bayern München (22/40) - Volland/1899 Hoffenheim (22/2)


  • Spaniens Stürmer Diego Costa würde am liebsten einen Verschwindibus machen.
    foto: apa/bouvy

    Spaniens Stürmer Diego Costa würde am liebsten einen Verschwindibus machen.

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