Karmasin gab Tipps gegen "gesunde Watschen" 

17. November 2014, 14:48
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Österreichische Jugend kennt Gewalt und Armut aus eigener Erfahrung - Das zeigte sich auch bei einer Kinderpressekonferenz

Wien - Der Frontalunterricht ist am Montagvormittag für rund 35 Kinder aus Niederösterreich und Wien ausgefallen: Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der UNO-Kinderrechtskonvention stand Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) im Rahmen einer "Kinderpressekonferenz" Schülern Rede und Antwort. Armut, Gewalt und Benachteiligung kennen die meisten aus ihrem nahen Umfeld, wurde dabei deutlich.

"Jetzt fragen wir"

Was tun bei Cybermobbing, wenn der Klassenkamerad aus Geldmangel nicht auf Schulskikurs mitfahren kann oder jemand sogenannte "gesunde Watschen" austeilt? Unter dem Motto "Jetzt fragen wir!" konfrontierten Buben und Mädchen aus einer Jungschar-Gruppe in Kottes (NÖ) und der 1d des Wiener GRG 16 - Maroltingergasse Experten aus Politik und Jugendarbeit.

Der Nachwuchs interessiert sich für die eigenen Rechte und die von Gleichaltrigen. Vielen ist sogar bewusst, wann Gesetze verletzt bzw. Rechte mit Füßen getreten werden. Gewalt etwa hat viele Formen, physisch und psychisch. Doch an wen wenden? "Nicht wegschauen! Nicht schweigen!" lautet die Handlungsanweisung der Ressortchefin in vielen Fällen. Gerade in Sachen Gewalt rät sie, sich an eine Vertrauensperson zu wenden. "Mutig sein!".

Vertrauensperson

Dazu bedürfe es Hilfsangeboten und alternativen Handlungsanleitungen für Betroffene und potenzielle Vertrauenspersonen. Darüber hinaus müsse man den Nachwuchs und seine Wünsche und Bedürfnisse ernst nehmen. Kinder haben sehr viele Rechte, durchsetzen können sie diese allerdings selten. Als Sprachrohr sieht sich die katholische Jungschar, die am 20. November eine Kampagne im Zeichen des "vergessenen" Kinderrechts auf Ruhe und Freizeit sowie auf Spiel und altersgemäße Freizeitbeschäftigung (UNO-Kinderrechtskonvention, Art. 31) startet.

Nicht nur die Konvention der Vereinten Nationen feiert Jubiläum - auch das heimische Gewaltverbot der Erziehung ist heuer ein Viertel Jahrhundert alt. Noch sehen die Experten in Sachen Sensibilisierung in vielerlei Hinsicht Nachholbedarf: "Nur ein Drittel der Eltern sagt, Gewalt gehört nicht in die Erziehung" gab Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Kromer zu bedenken. Sechs von zehn jungen Erwachsenen haben selbst in der Erziehung eine Ohrfeige bekommen. Hier muss die heimische Politik ansetzen und Alternativen aufzeigen. "Ich möchte Österreich zum familienfreundlichsten Land Europas machen" meinte Karmasin. Dabei käme es auch auf die Einstellung an: "Ich sehe Kinderlärm als Zukunftsmusik!" (APA, 17.11.2014)

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    foto: apa/roland schlager

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