Bilder der Ayoreo: Ein Leben ohne Betriebsanleitung

Ansichtssache18. November 2014, 18:39
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In der Ausstellung "Unfreiwillig sesshaft" zeigt der Fotograf Gerald Henzinger die unter Zwang veränderten Lebensbedingungen der südamerikanischen Volksgruppe

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bewohnte die indigene Volksgruppe der Ayoreo ein Gebiet von 300.000 Quadratkilometern Größe in den Urwäldern Paraguays und Boliviens. In dieser Gran Chaco genannten Region pflegten sie ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler.

Nach Bekehrungsfeldzügen mennonitischer Missionare in den 1940er-Jahren wurde ein Teil des 4.000 Köpfe starken Volkes sesshaft und widmete sich fortan dem Fischfang und der Landwirtschaft. Kleinere Gruppen zogen sich aber tiefer in die Wälder zurück und verzichten bis heute auf fixe Behausungen.

Die Verheißung eines besseren Lebens

Die globalisierte Wirtschaft machte in den vergangenen Jahrzehnten auch vor den Ayoreo nicht halt. Schwere Maschinen fuhren auf, um die Wälder urbar zu machen. Die Vorgesetzten der Maschinenführer boten den Ayoreo mit der Verheißung eines besseren Lebens Unterkünfte in Lagern an.

In den jüngsten Generationen verblasst seither das Wissen um das Leben im Wald. Laut Survival International gilt das Volk als solches heute als bedroht.

Der Istzustand einer unfreiwilligen Integration

Einige Nonprofitorganisationen versuchen per Landkauf die urpsrünglichen Territorien für die Ayoreo zurückzugewinnen. "Die Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft ist noch immer nicht abgeschlossen", meint der Fotograf Gerald Henzinger. Er hat eine Gruppe im Vorjahr für fünf Wochen besucht und ihren Alltag abgelichtet.

Seine Bilder zeigen den "Istzustand einer unfreiwilligen Integration. Und für diesen Integrationsprozess wurde keine Betriebsanleitung geschrieben", erklärt Henzinger seine Wahrnehmung. Folgende und viele weitere Aufnahmen sind ab Mittwoch in der Ausstellung "Unfreiwillig sesshaft" im Wiener Albert-Schweitzer-Haus zu sehen. (red, derStandard.at, 18.11.2014)


Ausstellung

Die Ausstellung findet im Rahmen des Monats der Fotografie "Eyes On" sowie des Off-Festivals und in Zusammenarbeit mit Brot für die Welt statt. Die Schau öffnet mit der Vernissage am 19. November um 19 Uhr und ist bis 9. Jänner zu sehen. Nähere Informationen finden Sie unter enlumen.net, auf Facebook und im Trailervideo.

foto: gerald henzinger/enlumen.net
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