Vermutlich zwei Europäer an IS-Enthauptungen beteiligt

17. November 2014, 14:49
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Ein Brite und ein Franzose – Syrische Regierungssoldaten und Amerikaner getötet

Paris/London/Washington – An der Tötung mehrerer syrischer Soldaten durch die radikal-islamische IS-Miliz waren möglicherweise zwei Europäer beteiligt. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte am Montag, es sei sehr wahrscheinlich, dass ein 22-jähriger Franzose dem Exekutionskommando angehört habe. Ein Brite glaubte zudem, seinen Sohn unter den IS-Kämpfern erkannt zu haben.

Der "Islamische Staat" (IS) hatte am Sonntag ein Video im Internet verbreitet, das die Ermordung von mindestens 14 syrischen Regierungssoldaten zeigt. In der Aufnahme erklärte ein Maskierter zudem, die IS habe auch den US-Bürger Peter Edward Kassig enthauptet. Zu Füßen des vermummten Mannes lag ein blutiger, abgeschlagener Kopf. Die USA bestätigten die Identität Kassigs.

Die Überprüfung des IS-Videos durch den französischen Geheimdienst habe ergeben, dass sehr wahrscheinlich ein Franzose direkt an der Hinrichtung der syrischen Soldaten beteiligt gewesen sei, sagte Cazeneuve vor Journalisten. Der Mann stamme vermutlich aus Nordwestfrankreich, sei 1992 geboren und nach einem Aufenthalt in Mauretanien im August 2013 nach Syrien gereist.

Britischer Medizinstudent

Zudem gehörte möglicherweise ein britischer Medizinstudent dem Exekutionskommando an. Ahmed Muthana sagte der Zeitung "Daily Mail", er glaube, er habe seinen 20-jährigen Sohn Nasser unter den IS-Kämpfern in dem 15-minütigen Film erkannt.

Die meisten der 16 IS-Milizionäre waren unmaskiert. "Ich kann nicht sicher sein", sagte Muthana. "Aber er sieht wie mein Sohn aus. Er muss jetzt Allah fürchten, weil er Menschen getötet hat. Wie kann er glauben, er könne Gott gegenübertreten, wenn er Menschen umbringt?" Den 20-Jährigen aus Cardiff in Wales will auch der Extremismusexperte Charlie Winter in dem Video erkannt haben.

Das britische Außenministerium wollte sich dazu nicht äußern. Allerdings war Nasser Muthana bereits auf einem in Juni verbreiteten Film zu sehen, in dem er Muslime aufrief, sich dem "Islamischen Staat" anzuschließen.

US-Bürger von IS-Miliz ermordet

Der 26-jährige Kassig ist die fünfte westliche Geisel, mit deren Hinrichtung sich die IS-Miliz brüstet. Die Extremisten hatten bereits zwei britische Entwicklungshelfer und zwei US-Journalisten vor laufender Kamera enthauptet und die Filme ins Internet gestellt. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden kämpfen vermutlich 10.000 ausländische Islamisten in Syrien und im Irak.

Die Eltern Kassigs hatten die Medien unterdessen um einen zurückhaltenden Umgang mit dem von den Jihadisten veröffentlichten Enthauptungsvideo gebeten. "Wir warten auf eine Bestätigung der Regierung", erklärten Ed und Paula Kassig auf einer Seite der Angehörigen des 26-Jährigen beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Die Familie bittet die Medien, den Geiselnehmern nicht in die Hände zu spielen, indem sie Bilder oder das Video der Entführer veröffentlichen", teilten sie mit. "Wir ziehen es vor, dass an die wichtige Arbeit unseres Sohnes erinnert wird, an die Liebe, die er mit Freunden und Familie teilt." Die Veröffentlichungen der Geiselnehmer hingegen seien zur Manipulation der Amerikaner gedacht und zur Förderung der Ziele der Entführer.

Laut Aktivisten 1500 Menschen exekutiert

Seit der Ausrufung ihres "Kalifats" im Juni hat die Extremistenorganisation IS in Syrien laut Aktivisten fast 1500 Menschen exekutiert. "Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat die Exekution von 1429 Menschen dokumentiert", teilte der Leiter der oppositionellen Organisation, Rami Abdel Rahman, am Montag mit. (APA, 17.11.2014)

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