Paris wegen Lieferung von Kriegsschiff an Moskau unter Druck

16. November 2014, 16:56
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Die Bedingungen für den Mistral-Deal seien laut Paris "nicht gegeben" gewesen - Putin gibt Frankreich noch zwei Wochen Zeit

Alles war bereit in Saint-Nazaire für die Übergabe der Wladiwostok. Russische Marinesoldaten waren an der französischen Atlantikküste eingetroffen, versuchsweise wehte die russische Flagge über dem Kriegsschiff des Typs Mistral, in Moskau veröffentlichte die Armee das Programm der Übergabe am 14. November. Doch die Wladiwostok lief am Freitag nicht aus. In Paris hörte man nur, die Bedingungen für die Lieferung seien "nicht gegeben".

Im Sommer hatte Präsident François Hollande das Schicksal des Schiffs mit der ukrainischen Krise verknüpft - in der Hoffnung, dass sich bis Herbst eine Entspannung abzeichnen würde. Daraus wurde nichts. Nun kann sich Frankreich nicht gut an den Sanktionen beteiligen und zugleich ein Kriegsschiff an Moskau liefern.

1,2-Milliarden-Euro-Deal

Der ganze, noch unter Expräsident Nicolas Sarkozy abgeschlossene Mistral-Deal beläuft sich auf auf 1,2 Milliarden Euro; die Sebastopol ist noch im Bau, es geht um hunderte Arbeitsplätze.

Moskau macht nun Druck. Angeblich will Präsident Wladimir Putin Frankreich noch zwei Wochen Zeit für die Lieferung geben; danach werde man Entschädigung verlangen. Paris versucht dem Vernehmen nach Zeit zu gewinnen und eine Vertagung bis 2015 gegen einen geringfügigen Nachlass zu erreichen. Putin wiederum weiß, dass er über das Mistral-Geschäft Druck auf Hollande machen und eventuell die westliche Front spalten kann. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 17.11.2014)

  • Das Kriegsschiff Wladiwostok liegt immer noch immer im Hafen von Montoir-de-Bretagne, nahe Saint-Nazaire.
    foto: reuters/stephane mahe

    Das Kriegsschiff Wladiwostok liegt immer noch immer im Hafen von Montoir-de-Bretagne, nahe Saint-Nazaire.

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