Pannonische Vorwahlgeplänkel: "Who the fuck is Peter Rezar?"

Blog17. November 2014, 10:26
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Im Mai wählt das Burgenland. Die Sekretäre nameln einander schon, die altgedienten Haudegen sticheln, und Bundeskanzler Werner Faymann wird demnächst schon vor die brisante Frage gestellt: "Who the fuck is Peter Rezar?"

Die burgenländische Frühjahrswahl wirft ihre Schatten schon herüber in den aktuellen November, wo sie eigentlich noch nicht wirklich etwas zu suchen hätten. Aber einerseits rückt sich die SPÖ gerade für den Parteitag im Land (22. November) und im Bund (28. November) zurecht. Und andererseits sind die noch offen gewesenen Vorhaben im Wesentlichen eh schon unter Dach und Fach. Vor allem die neue Verfassung wird im Dezember ohne weitere Anstände beschlossen werden. Die Opposition zerzaust dieses um den Proporz bereinigte Regelwerk zwar, aber eine Mehrheit ist eine Mehrheit ist eine Mehrheit ist eine Mehrheit: So viel Gertrude Stein versteht man dann auch in Eisenstadt.

In, weil eins

Der SP-Landesparteitag steht übrigens unter dem Motto: "Wir sind IN. Denn wir sind EINS!" Und das ist kryptisch genug, sodass Landesgeschäftsführer Robert Hergovich zu näheren Erklärungen weit ausholen darf. Presseaussendend unlängst so: "Die SPÖ Burgenland ist stolz auf den Aufholprozess des Burgenlands. Wir sind inzwischen in vielen Bereichen die Nummer eins. Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass das der Verdienst aller Burgenländerinnen und Burgenländer ist – die Politik hat dafür die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen. Gleichzeitig sprechen wir aber auch die Probleme, beispielsweise die steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitiger Rekordbeschäftigung, an."

Vorwahltaktisch ist das ein kleiner Geniestreich, denn diese Erklärung lässt Raum für noch eine und noch eine und noch eine und noch eine. Währenddessen missversteht der schwarze Mitbewerber das Parteitagsmotto klarerweise in Richtung Wienerlied absichtlich: "Mir is alles ans, mir is alles ans, ob i a Geld hab oder kans!"

Und schon ist man mitten drin im schönsten Wahlkampftumult. Da mag Robert Hergovich noch so sehr beschwören: "Der Wahlkampf wird kurz." Hergovich und sein schwarzes Gegenüber, Christian Sagartz, sind jedenfalls schon seit geraumer Zeit in der entsprechenden Laune.

Hausmaster’s Voice

Die beiden sind, wenn man das so salopp sagen will, die Hausmeister ihrer jeweiligen Zentralgebäude in Eisenstadt. Wie ein Sinnbild stehen die – das rote Haus in der Johann-Permayer-Straße und das schwarze in der Julius-Raab-Straße – arschlings aneinander. Und wie ein Sinnbild lässt sich von der Dachterrasse des roten auf die des schwarzen hinunterschauen. Das rühmt sich dafür geradezu sinnbildhafter Bescheidenheit und Sparsamkeit; im Gegensatz zu nachbarschaftlichem Protzen und Prassen.

In diesen Häusern wird der jeweilige Nachwuchs im Einmaleins des politischen Miteinanders geschult, dem Keifen. Hier – und in den entsprechenden Einrichtungen in den anderen Ländern – lernt man, was mit einem wunderschönen, viel zu selten verwendeten Wort "nameln" genannt wird.

Legendär im Burgenland etwa die Presseaussendungsschlachten zwischen dem roten Georg Pehm (der jetzt die Eisenstädter Fachhochschule schupft) und Dietmar Halper (der nämliches in und mit der Politischen Akademie der ÖVP tut). Da ging es oft im Halbstundenrhythmus hoch hin und her, dass es fürs Journalistenvolk nur so eine Freude war. Es war Nameln auf höchstem Niveau.

Vertrautes Weghören

Das politische Nameln ist eine Kunst wie jede andere auch. Dilettanten verwechseln es gern mit echtem Grant. Der freilich geht klarerweise nicht bei Leuten, die mehr Zeit miteinander verbringen und sich intensiver einander zuwenden als den jeweiligen Ehepartnern daheim. Nicht, dass da so etwas wie Zärtlichkeiten entstehen müsste im Lauf der gemeinsamen Jahre. Aber doch ziemliche Vertrautheit mit den Tönen und Zwischentönen.

Wenn Hans Niessl und Franz Steindl dann doch einmal zu fast jugendfrischem Nameln anheben, klingt das ein wenig wie der immer gleiche Zank bei alten Paaren, wo der jeweils eine über den anderen denkt, was S.T.S. einst dem Großvater über die Großmutter in den Mund gelegt hat: "I muass net alles, was sie sagt, immer hean." Nach einer bald 15-jährigen gemeinsamen Geschichte, wie Niessl und Steindl sie haben, namelt man nicht mehr. Wenn schon, dann stichelt man beim Keppeln.

Kutsche und Retourkutsche

Oder einer haut auf den Tisch, so wie unlängst Hans Niessl, weil der schwarze Direktor der landeseigenen Wirtschaftsservice Burgenland AG in der eigenen Therme und im dazugehörigen Hotel die Lehrlingsausbildung so vernachlässige. Zehn Prozent der Beschäftigten seien – in der nicht minder landeseigenen Kurbad Tatzmannsdorf AG sei das ja auch Standard – die Messlatte.

Kollege Steindl, der Regierungsreferent für Wirtschaftsdinge, kutschte umgehend retour. Wenn schon Messlatten angelegt würden, dann bitt‘ schön überall. Was nichts anderes hieße, als das landeseigene Lehrstellenangebot von derzeit 100 zu verfünffachen. Steindl hielt, während er das sagte, eine beeindruckend steil in die Höhe weisende Grafik in die Kameras. Und nannte diese Grafik nach den Landesfarben gleich "rot-goldener Lehrlingsplan". So geht das, wenn das Nameln aus Schicklichkeitsgründen nicht mehr geht.

Kampfbahnen

Niessl und Steindl steckten aber so – "It’s the economy, stupid!" – immerhin die Kampfbahn ab. Und die wird nicht nur im Burgenland gewissermaßen wienwärts eingenordet. Denn mit einem von den wahlkämpfenden Landesparteien, wenn schon nicht gestärkten, so doch versteiften Rücken wird Bundeskanzler Werner Faymann in die Mutter aller Koalitionsschlachten geschickt oder halt vorgeschickt.

Dass er ohne herzeigbare Steuerreform diese Schlacht parteiintern nicht überleben können wird, hat der SP-Bezirksobmann von Oberpullendorf/Felsőpulya schon nach der Europawahl im diesjährigen Mai forsch in den Koalitionsraum gestellt. Damals haben alle den Kopf geschüttelt über den siebenten Zwerg von links. Selbst der aus dem Burgenland stammende Kunst- und Koalitionsminister Josef Ostermayer wurde bang befragt: Rezar? Who the fuck is Peter Rezar?

Die Antwort darauf könnte – in verehrender Anlehnung an die Tante Jolesch sei angemerkt: "Gott hüte uns vor allem, was a spannende Zeit ist!" – noch spannend werden. (Wolfgang Weisgram, derStandard.at, 17.11.2014)

  • Peter Rezar, SP-Bezirksobmann von Oberpullendorf/Felsőpulya, stellte vor der EU-Wahl die Koalition infrage.
    apa/landesmedienservice

    Peter Rezar, SP-Bezirksobmann von Oberpullendorf/Felsőpulya, stellte vor der EU-Wahl die Koalition infrage.

  • SP-Landeshauptmann Hans Niessl (li.), sein schwarzer Vize Franz Steindl und das S.T.S.-Erfolgsrezept für eine stabile Beziehung: "I muass net alles, was er sagt, immer hean."
    foto: apa/christian gmasz

    SP-Landeshauptmann Hans Niessl (li.), sein schwarzer Vize Franz Steindl und das S.T.S.-Erfolgsrezept für eine stabile Beziehung: "I muass net alles, was er sagt, immer hean."

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