Einer für alle, alle für zwei

Infografik16. November 2014, 14:39
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Die verletzungsbedingte Abwesenheit der Mittelfeldmotoren David Alaba und Julian Baumgartlinger schlägt sich deutlich im Netzwerk der drei häufigsten Passes beim 1:0 über Russland nieder

Die Beziehungsschwerpunkte des Teams von Trainer Marcel Koller finden sich diesmal einerseits auf den Flügeln, was an den ausgeprägten Freundschaftsbanden zwischen Christian Fuchs und Marko Arnautovic auf der linken sowie Florian Klein und Martin Harnik auf der rechten Seite sichtbar wird.

Andererseits etablierte sich hinten eine "Achse der Geduld" zwischen den Innenverteidigern Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger, die sich tendenziell mit langen Pässen in die Offensive übersetzte (Hinteregger–Arnautovic bzw. Junuzovic und Dragovic–Harnik).

Vergleichsweise geringe Aktivitätsanteile hatten die für die Verletzten in die Mannschaft gerutschten Christoph Leitgeb und Stefan Ilsanker zu verzeichnen. Vor allem letzterer gab allerdings nach Überwindung eines kurzen, nervositätsinduzierten Schüttelfrosts den produktiven Störenfried und bemühte sich redlich, den russischen Spielfluss energisch zu unterbinden.

Anzahl der Pässe in 5-Minuten-Abschnitten

Wenig überraschend agierte Zlatko Junuzovic diesmal noch überragender als sonst. Der Bremen-Legionär kompensierte die Abwesenheit der beiden anderen Musketiere im zentralen Mittelfeld mit unermüdlicher Präsenz und dem Versuch, die Bälle in sämtliche Winkel und Gassen zu verteilen.

Hemmungen erfuhr das Spiel der Österreicher über längere Strecken durch mangelnde Präzision im Passspiel und in den Laufwegen in der Offensive. Vor allem Harnik und Marc Janko taten sich schwer, die in der russischen Defensive aufklaffenden Lücken zu nützen. Der eingewechselte Rubin Okotie brachte schließlich Beweglichkeit samt Effizienz ins Spiel und knipste wie schon gegen Montenegro den Erfolg nach Hause. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 17.11.2014)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreichs Länderspiele exklusiv für den Standard. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair, Wolfgang Streibl und Agnes Chorherr.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Umsetzung für derStandard.at: Markus Hametner

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