DAX-Anleger haben den "November-Blues"

16. November 2014, 11:50
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Deutscher Leitindex könnte Fahrt Richtung 10.000 wieder aufnehmen, Konjunkturdaten und "Euro Finance Week" rücken in den Fokus

Frankfurt/Frankfurt am Main - Mit dem Ende der Bilanzsaison müssen sich deutsche Aktienanleger auf eine zähe Handelswoche einstellen. "Der DAX hat den November-Blues", sagte Ayondo-Marktstrategin Sarah Brylewski. Erst wenn positive Frühindikatoren eine Erholung der Konjunktur anzeigten, könnte der Leitindex seine Fahrt Richtung 10.000 Punkte wieder aufnehmen. "Bis dahin bleibt die DAX-Ampel auf gelb stehen."

Auch Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB geht von einer eher ruhigen Woche aus. "Uns werden die kursbewegenden Nachrichten fehlen, einige US-Konjunkturdaten aus der zweiten Reihe dürften in den Vordergrund rücken." Angesichts dieser mauen Impulse rechnet der Experte beim DAX nicht mit großen Kursbewegungen. "Ich bin zwar vorsichtig optimistisch, allerdings sollten Anleger die vielen geopolitischen Krisen im Auge behalten."

Pessimismus

In der abgelaufenen Woche drückten Konjunkturpessimismus und der wieder aufflammende Ukraine-Konflikt den Frankfurter Leitindex 0,4 Prozent auf 9.252 Punkte ins Minus. Die US-Börsen setzten ihre Rekordjagd zwar in gemächlichem Tempo fort - der Dow-Jones-Index gewann über die Woche 0,4 Prozent - zuletzt flaute sie aber aus Mangel an Impulsen ab.

Die "Euro Finance Week" in Frankfurt dürfte das Interesse der Anleger auf sich ziehen. Dort trifft sich die ganze Woche über das "Who is who" der Finanzbranche. Zahlreiche Bankchefs, angeführt von Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, wechseln sich ab mit den Top-Notenbankern Europas - allen voran der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Neben der Debatte um den künftigen Kurs der Geldpolitik in der Währungsunion dürfte dort vor allem die Frage nach der Zukunft der Banken unter der neuen EZB-Aufsicht die Gespräche bestimmen. Die neuen Aufseher haben nämlich angekündigt, dass sie sich künftig auch die Geschäftsmodelle der Geldhäuser genauer angucken wollen. Auf die chronisch ertragsschwachen deutschen Institute könnten also harte Zeiten zukommen.

Frühindikatoren

Von den in der kommenden Woche anstehenden Frühindikatoren erwarten Experten eher positive Signale für die Wirtschaft im Euroraum. "Denn die vom ZEW zu ihren Konjunkturerwartungen für Deutschland befragten Finanzmarktteilnehmer dürften am Dienstag nicht mehr ganz so pessimistisch in die Zukunft schauen", erklärt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Der am Donnerstag erwartete Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone und Deutschland dürfte die Stabilisierung vom Oktober zumindest bestätigen, sagt Solveen.

Bei den Konjunkturdaten aus den USA setzen Börsianer darauf, dass diese sich in das Bild einer anziehenden Wirtschaft einfügen. Vom Wachstum hängt ab, wann die US-Notenbank Fed die Leitzinsen wieder anhebt. Bisher rechnen Börsianer mehrheitlich für Mitte 2015 mit einem solchen Schritt. Am Montag steht bei den Marktbeobachtern die US-Industrieproduktion im Fokus. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gegenüber dem September. Die am Donnerstag anstehenden Verbraucherpreise dürften wegen der fallenden Benzinpreise im Oktober gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent sinken. Damit würde der von der Fed ersehnte Preisauftrieb weiter auf sich warten lassen.

Zuletzt liefen auch vor allem die Aktien von Restaurant-Ketten wie Domino's Pizza und Buffalo Wild Wings besser und deuteten damit auf eine wachsende Konsumfreude der Verbraucher. NordLB-Experte Basse wird am Donnerstag vor allem auf den Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia für die Industrie im US-Nordosten achten. "Die US-Daten dürften das Szenario eines robusten Aufschwungs nicht infrage stellen." Der sogenannte Philly Fed gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren für die US-Produktion. Aus China könnte der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC, der ebenfalls am Donnerstag erwartet wird, in den Mittelpunkt rücken. Zuletzt hatten einige Indikatoren eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in dem Riesenreich signalisiert. (APA/Reuters, 16.11.2014)

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