Die Griechen erleben ihren Färöer-Moment

14. November 2014, 23:30
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Außenseiter bezwingt Ex-Europameister in Piräus mit 1:0 - Ranieri entlassen - Gibraltar verkauft sich gegen Deutschland teuer - Ronaldo rettet einmal mehr Portugal

Piräus/Nürnberg/Belgrad - Die Färöer haben in den Freitagsspielen der EM-Qualifikation für die Topsensation gesorgt. Der 187. der FIFA-Weltrangliste feierte in Piräus dank eines Treffers von Joan Edmundsson (61.) einen 1:0-Auswärtssieg über Ex-Europameister Griechenland (Nummer 14 der Welt), der damit nach vier Runden mit nur einem Punkt am Tabellenende der Gruppe F steht. Claudio Ranieri ist als Trainer der Griechen daraufhin entlassen worden. "Es hat keine Alternative dazu gegeben, die Zusammenarbeit zu beenden", sagte ein Verbandssprecher. Zunächst habe sich Ranieri trotz starken Drucks geweigert, seinen Posten aufzugeben.

Für die Mannschaft von den Schafsinseln war es nach dem 1:0-Sieg 1990 gegen Österreich der zweite Sensationssieg als krasser Außenseiter, gegen Griechenland hatte das Team in den bisherigen Spielen zwei Niederlagen mit 1:10 Toren kassiert.

Doch diesmal war alles anders, die Färöer waren phasenweise spielbestimmend. Nach einer Stunde reagierte Edmundsson nach einem Schussversuch des Kollegen Olsson am schnellsten und schickte den Ball unhaltbar für Griechenlands Keeper zum Siegestor ins Netz. Bei einem Lattentreffer der Gastgeber hatte man dann auch das Glück auf seiner Seite.

Das Spitzenduell in diesem Pool gewann Rumänien gegen Nordirland dank eines Doppelschlags von Paul Papp (74., 79.) 2:0, die Gäste mussten damit erstmals Punkte und auch die Tabellenführung abgeben. Hinter den Rumänen (10 Punkte) und Nordirland (9) folgt nun Ungarn (7), dem ein 1:0-Heimsieg über Finnland (4) gelang. Zoltan Gera (84.) sorgte für die späte Entscheidung zugunsten der Magyaren.

Deutschland nur Gruppen-Dritter

Die Gruppe D führen nach einem, allerdings erst nach der Pause sicher gestellten, 4:0 in Georgien weiter die Polen (10 Punkte) an. Kamil Glik (51.), Grzegorz Krychowiak (71.), Ex-Austria-Legionär Sebastian Mila (73.) und Arkadiusz Milik (92.) trafen in Tiflis für die Gäste, die nun drei Punkte auf die ersten Verfolger haben, da die bisher ebenfalls ungeschlagenen Iren in Schottland 0:1 unterlagen. Shaun Maloney (75.) erzielte den einzigen Treffer im Celtic Park in Glasgow und machte damit den ersten Sieg gegen Irland seit sage und schreibe 53 Jahren perfekt.

Weltmeister Deutschland kam gegen die Amateure aus Gibraltar nur zu einem 4:0-(3:0)-Heimerfolg und ist nun punktegleich mit Irland und Schottland. Thomas Müller (12., 29.), Mario Götze (38.) sowie Yogan Santos (67./Eigentor) hießen die Torschützen in Nürnberg, wo im mit 44.000 Zuschauern ausverkauften Stadion immer wieder Pfiffe hörbar wurden, da der haushohe Favorit erneut nicht zu überzeugen wusste.

Besser als Brasilien

Gibraltar erreichte dagegen sein großes Ziel, besser als Brasilien zu sein. Der Rekordweltmeister war bekanntlich im Sommer im WM-Semifinale gegen die Deutschen mit mit 1:7 unter die Räder gekommen. "Wir haben einigen den Mund gestopft, die behaupten, dass wir nicht verdient haben, hier mitzuspielen. Und jetzt kehren wir wieder zurück in unser normales Leben", meinte Gibraltars Trainer Allen Bula.

Deutschlands Teamchef Jogi Löw, der nach der Partie kritische Worte fand, hatte mit einer Dreierabwehrkette und den beiden Stürmern Müller und Max Kruse eine sehr offensive Aufstellung gewählt. Shkodran Mustafi vom FC Valencia stand erstmals seit dem WM-Achtelfinale wieder im Team. Im Mittelfeld gab Sami Khedira von Real Madrid sein Comeback.

Nur Ronaldo stottert nicht

In der Gruppe I setzte sich Dänemark mit 3:1-(0:1) in Serbien durch. Zoran Tosic (4.) brachte die Hausherren vor leeren Rängen in Belgrad zwar früh in Führung, doch Wolfsburg-Legionär Nicklas Bendtner (60., 85.) und Simon Kjaer (62.) sorgten für die Wende zugunsten der Gäste, die nun bei sieben Punkten aus vier Spielen halten. Portugal verdankte seinen mageren 1:0-Heimerfolg über Armenien einmal mehr Cristiano Ronaldo, der den Pflichtsieg mit seinem Treffer in der 72. Minute sicherstellte. Mit sechs Zählern aus drei Spielen steht Portugal, das die Quali mit einem 0:1 gegen Albanien begonnen hatte, nach Verlustpunkten nun am besten da. (sid/APA/red - 14.11. 2014)

ERGEBNISSE:

  • Gruppe D - 4. Runde:

Georgien - Polen 0:4 (0:0) Tiflis.
Tore: Glik (51.), Krychowiak (71.), Mila (73.), Milik (92.)

Schottland - Irland 1:0 (0:0) Glasgow.
Tor: Maloney (75.).

Deutschland - Gibraltar 4:0 (3:0) Nürnberg,.
Tore: Müller (12., 29.), Götze (38.), Santos (67./Eigentor)

  • Gruppe F - 4. Runde:

Ungarn - Finnland 1:0 (0:0) Budapest.
Tor: Gera (84.)

Griechenland - Färöer 0:1 (0:0) Piräus.
Tor: Edmundsson (61.).

Rumänien - Nordirland 2:0 (0:0) Bukarest.
Tore: Papp (74., 79.).

  • Gruppe I - 4. Runde:

Portugal - Armenien 1:0 (0:0) Faro-Loule.
Tor: Ronaldo (72.).

Serbien - Dänemark 1:3 (1:0) Belgrad.
Tore: Tosic (4.) bzw. Bendtner (60., 85.), Kjaer (62.).

  • Torschütze Joan Edmudsson und seine färingischen Fahrensleute triumphieren in Piräus.
    foto: apa/epa/panagiotis

    Torschütze Joan Edmudsson und seine färingischen Fahrensleute triumphieren in Piräus.

  • Konnte sich angesichts eines formidablen 0:4 in Nürnberg zufrieden die Hände reiben: Gibraltars Trainer Allen Bula.
    foto: ap/schrader

    Konnte sich angesichts eines formidablen 0:4 in Nürnberg zufrieden die Hände reiben: Gibraltars Trainer Allen Bula.

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