Gans im Unglück

14. November 2014, 18:34
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Das Ganslessen hat Hochsaison, billige Importe überwiegen. Das Federvieh ist nicht dumm, sondern wachsam wie ein Hund und verlässlich obendrein

Wien - Gänse und dumm? Norbert Schweiger, Gründer des gleichnamigen Geflügelhofs, schüttelt ob so viel Unwissenheit den Kopf. An einer Herde komme nächtens keiner ungeschaut vorbei. Wachsam wie ein Hund ist das schnatternde Federvieh, und verlässlich obendrein. "Seinen fünf Frauen ist ein Gänserich ein Leben lang treu."

Bis zu 2500 ihrer Küken schlüpfen jede Woche auf seinem Hof in Hartberg - aus Eiern, die der Vöck- labrucker Betrieb Kaltenbrunner liefert. Die beiden sind die Einzigen in Österreich, die bei Junggänsen im größeren Stil ein Gegengewicht zum Massenimport aus Un- garn, Polen und Frankreich bilden und damit einen Grundstock für artgerechte Weidehaltung legen.

Das Ganslessen hat Hochsaison. Bis Jahresende landen in Summe 100.000 Gänse auf den Tellern der Österreicher. Zunehmend weniger, jedoch immer noch 70 Prozent kommen aus dem Ausland. Diese sind quasi ein Nebenprodukt der Stopfleber: Meist in Käfigen gehalten, mehrmals lebend gerupft und per Stange zwangsernährt. Nach rund zwölf Wochen ist ihr Fleisch fett und ein Kilo von ihnen in den Supermärkten um vergleichsweise magere vier Euro zu haben.

Watscheln auf Weiden

Schweigers Küken werden auf Höfen quer durch Österreich groß. Sie watscheln auf Weiden, je nach Betriebsgröße in Herden von ein Dutzend bis einigen tausend Tieren. 36 Kilo Gans kommen hier auf einen Quadratmeter, 22 sind es im biologischen Bereich. Und um ihr Schlachtgewicht zu erreichen, haben sie 140 Tage Zeit. Zehn bis 15 Prozent werden bio gehalten, was ihnen etwa verpflichtend Zugang zu Wasserflächen ermöglicht, sagt Nicholas Fürschuss, Projektmanager des Bioverbands Bio Austria.

Im Handel kostet eine Biogans das Fünffache einer importierten aus Massentierhaltung. So viel sind Kunden nur bereit zu zahlen, wenn es volle Transparenz bei der Aufzucht gibt, sagt Iris Stromberger, die in Kärnten zu den Pionieren des Biogänsemarktes zählt. Es sei eine kleine, feine Zahl an Kunden, die rund um Martini wissen will, was sie auf den Teller bekommt. 2500 Gänse zieht Stromberger groß. "Es braucht eine gewisse Größe, um auf dem Markt wahrgenommen zu werden." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 15.11.2014)

  • Die Martinigans: wachsam wie ein Hund und treu obendrein.
    foto: dpa

    Die Martinigans: wachsam wie ein Hund und treu obendrein.

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