Staat sieht bei Hypo-Verkauf rot

14. November 2014, 18:25
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Der Verkauf der Südosteuropa-Banken der (ehemaligen) Hypo Alpe Adria dürfte die Republik 700 bis 800 Millionen Euro kosten

Wien - Die Verkäufer der Südosteuropa-Holding der (ehemaligen) Hypo Alpe Adria haben ihre Entscheidung, die SEE-Banken zu versilbern, durch zwei Gutachten absichern lassen. Beauftragt waren die Berater Alvarez & Marsal und PricewaterhouseCoopers (PwC). Sie kommen zum Schluss, dass der Verkauf des Bankennetzwerks für den Staat "signifikant" vorteilhafter ist als die Abwicklung oder gar die Insolvenz der Banken - wenngleich die Gutachter zahlenmäßig zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt sind.

Klar ist allerdings: Der Verkauf wird die Republik, also den Steuerzahler, sehr viel Geld kosten. 700 bis 800 Millionen Euro dürften es werden, wie der Standard aus Bankkreisen erfahren hat. Der Abbau der sechs SEE-Institute käme Österreich gemäß Berechnungen der Gutachter und der Banker aber noch viel teurer, die Rede ist von rund zwei Milliarden Euro. Die Hypo gibt dazu keine Stellungnahme ab.

Treuhänderin Fimbag

All das wird sich auch im Zahlenwerk rund um den (bereits erfolgten) Umbau der Hypo in eine Abbaugesellschaft (Heta) widerspiegeln. Die Hypo International hat ja ihre SEE-Beteiligung an die staatliche Bankenholding Fimbag abgegeben. Der konkrete (negative) Kaufpreis für den staatsinternen Deal ist aber noch nicht fix: Ein Gutachter wird ihn errechnen.

Die Fimbag muss die SEE-Holding bis Mitte 2015 weiterverkauft haben; der Plan ist, sie an den US-Fonds Advent zu verkaufen. Advent hat sich, wie berichtet, jede Menge Goodies herausverhandelt, Stichwort Liquiditätsversorgung, Garantien und Gewährleistung durch Verkäufer Staat. Der teure Verkauf der SEE-Holding "ist jedenfalls im Vergleich zu den Alternativen das kleinere Übel", fasst es ein Banker zusammen.

Wie klein oder groß das Übel aus dem weiteren Hypo-Abbau wird (es geht um Assets von 18 Mrd. Euro), das wird sich erst zeigen. Heuer lief der Abbau jedenfalls viel schlechter als geplant.

Abseits vom Finanzministerium ist übrigens auch die Staatsholding ÖIAG gut über den zukünftigen Geldbedarf der Hypo informiert. Dort sollte die Bad Bank ja ursprünglich landen; die ÖIAG hat daher mitkonzeptioniert. Noch im Herbst haben Hypo-Verantwortliche der ÖIAG berichtet. Zugehört haben neben ihrem Chef Rudolf Kemler auch Dirk Notheis (Berater im Finanzministerium) und Ex-Notenbankerin Gertrude Tumpel-Gugerell für Kanzler Werner Faymann. Ihr Interesse, weiter involviert zu sein, soll sich deutlich abgekühlt haben.

Die Republik Österreich muss für den Verkauf des Südosteuropa-Netzwerks der Hypo Geld in die Hand nehmen. Das ist laut Gutachtern immer noch besser, als die Banken zuzusperren oder pleitegehen zu lassen. (Renate Graber, DER STANDARD, 15.11.2014)

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    foto: standard/newald
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