Gespitzten Ohres im Dschungel

14. November 2014, 17:07
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Toxic Dreams: "There's a Rumble in the Jungle"

Wien - Es gibt ein Phänomen, das sich immer wieder beobachten lässt: Sobald das Neue genug gehypt wurde, kommt garantiert die Sehnsucht nach dem Alten.

Logisch also, dass die Theatertruppe Toxic Dreams in ihrem Radiotheaterstück There's a Rumble in the Jungle (erste Produktion des Zyklus The New Old) das Format der Hörbühne reanimiert. Einbildungskraft statt Videoleinwand.

Schlafbrillen werden am Eingang zum verdunkelten Ausstellungsraum des Atelierhauses der bildenden Künste verteilt, das Ensemble (Anna Mendelssohn, Markus Zett, Jaschka Lämmert, Peter Stamer) steht hinter Standmikros bereit, und das Publikum darf in (natürlich alten) Fauteuils Platz nehmen. Was die auf ihren Gehörsinn Zurückgeworfenen dann hören, hat mit Muhammad Alis "Rumble" nichts zu tun: Ein als Kind erblindeter Mann erzählt über sein Leben, die Zeit in der Résistance und im KZ. Als kleines Kind wurde ihm eine (reichlich krude) Version des Dschungelbuches vorgelesen, die alternierend von den Schauspielern vorgetragen wird: ein archaisches Dorf im Dschungel, dessen Ordnung durch die plötzlich einfallende amerikanische Konsumkultur arg durcheinandergebracht wird.

Die Stärke des Stückes ist nicht unbedingt eine intellektuelle, man kann aus ihm vieles oder nichts herauslesen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht nötig, vollzieht sich die Einsicht doch auf anderer Ebene: Man gewahrt, welche Bilder im Kopf entstehen, wenn man nur den Vielklang der erzählenden Stimmen und der zu hörenden Geräusche im Ohr hat. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 15.11.2014)

15. 11., 20.00, 16. 11., 16.00, 23.00 (um 23 Uhr auch live auf Ö1 im "Kunstradio")

Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste, Lehargasse 6, 1060 Vienna

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Toxic Dreams

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