Schicksalsspiel für Niederlande

14. November 2014, 16:34
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Angezählter Bondscoach Hiddink experimentiert mit ungewöhnlichem Sturmduo - Italien, England wollen weiter makellos bleiben - Spitzenduell in Gruppe A zwischen Tschechien und Island

Amsterdam/London/Mailand - Mit Spannung wird am Sonntag in der Qualifikation für die EM 2016 das Heimspiel der Niederlande gegen Litauen erwartet. Nach zwei Niederlagen in drei Spielen steht die Elftal bereits mit dem Rücken zur Wand, Trainer Guus Hiddink denkt schon an Rücktritt. Ganz entspannt können hingegen zwei andere Fußball-Großmächte die Sache angehen: England und Italien peilen den jeweils vierten Sieg an.

Italien will sich am Sonntag in Mailand die Tabellenführung in Gruppe H von Kroatien holen, das ebenfalls beim Punktemaximum von 9 Zählern hält. Erstmals seit dem Amtsantritt von Trainer Antonio Conte vor knapp drei Monaten ist dabei auch Enfant terrible Mario Balotelli wieder im Kader. Die mageren Vorstellungen des Stürmers bei der WM in Brasilien, die auch Kritik aus den Teamreihen nach sich gezogen hatten, seien kein Thema mehr, hieß es nun. "Die Dinge in Brasilien sind schlecht gelaufen, aber wir haben einen Strich darunter gezogen", erklärte etwa Verteidiger Giorgio Chiellini.

Rooney vielleicht gegen Kampl

In Gruppe E verteidigt England seine saubere Weste. Nach Siegen über die Schweiz, San Marino und Estland soll am Samstag im Londoner Wembley-Stadion auch Slowenien geschlagen werden. "Three Lions"-Kapitän Wayne Rooney steht dabei vor seinem 100. Länderspiel. Das haben vor ihm nur acht englische Fußballer erreicht, für den 29-Jährigen wäre es "eine große Leistung". Schießt Rooney auch noch zwei Tore, wäre er mit dann 45 Treffern in der ewigen Torschützenliste des Nationalteams in den Top 3. Bei Slowenien, das mit einem Überraschungserfolg mit den Engländern gleichziehen würde, ist Salzburgs angeschlagener Mittelfeldmotor Kevin Kampl fraglich.

Die Niederlande stehen nur rund vier Monate nach dem dritten Platz bei der WM in Brasilien schon schwer unter Druck. Gelingt in Gruppe A gegen Lettland am Sonntag in Amsterdam kein Sieg, ist die zweite Amtszeit von Trainer Guus Hiddink bereits wieder vorbei. Der 68-Jährige hat unmissverständlich klar gemacht, dass er sein Amt schon bei einem Remis gegen die Osteuropäer zur Verfügung stellt. Die Generalprobe ist den Holländern jedenfalls misslungen. Am Mittwoch verloren sie gegen Mexiko 2:3.

Mehrheit gegen Hiddink

In einer Umfrage der Tageszeitung "De Telegraaf" sagten 80 Prozent der rund 40.000 Leser, dass beim nächsten Qualifikationsspiel gegen die Türkei ein neuer Trainer auf der Bank sitzen solle - und das sogar unabhängig vom Ausgang des Lettland-Spiels. Fans und Experten werfen Hiddink vor, eine intakte Mannschaft völlig verunsichert und keine Spielidee zu haben. "Hiddink hatte in den bisherigen fünf Spielen nicht ein einziges Mal einen Plan", kritisierte der bekannte Zeitungskolumnist Thijs Zonneveld im "Algemeen Dagblad".

In seiner Not wagt Hiddink gegen Lettland jetzt sogar ein Experiment der besonderen Art. Mit Klaas-Jan Huntelaar und Kapitän Robin van Persie sollen zwei Mittelstürmer für die nötigen Treffer sorgen, die sich auf und abseits des Feldes bisher eigentlich nie besonders leiden konnten.

Schlagerspiel in Pilsen

Das Spitzenduell in der Niederlande-Gruppe geht am Sonntag in Pilsen über die Bühne. Tschechien empfängt Tabellenführer Island, beide Teams halten bei je neun Punkten. Tschechien-Coach Pavel Vrba weiß, was zu tun ist, um Gylfi Sigurdsson und Co. in Schach zu halten. "Wir werden den Spielern zeigen, welche Waffen Island eingesetzt hat, um die Niederlande, die Türkei und Lettland zu schlagen", sagte Vrba. Behalten die Gastgeber die Oberhand, würde das auch das Ende der isländischen defensiven Makellosigkeit bedeuten. (APA/Reuters, 14.11.2014)

  • Die Tage von Guus Hiddink als Bondscoach der Oranjes sind gezählt.
    foto: epa/robin van lonkhuijsen

    Die Tage von Guus Hiddink als Bondscoach der Oranjes sind gezählt.

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