Vorarlberg: Kein Arbeitskampf im Krankenhaus

Bericht14. November 2014, 15:52
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Vorarlberger Spitalsärzte geben dem Land noch ein Jahr Frist. Dann soll ein attraktives Arbeitszeitmodell vorliegen

Bregenz – Die generelle 48-Stunden-Woche ist an Vorarlberger Krankenhäusern noch Illusion. Würden Vorarlbergs Spitalsärzte künftig nach der neuen EU-Arbeitszeitrichtlinie arbeiten, käme es zu Versorgungsengpässen, denn für die 48-Stunden-Woche habe man 80 Ärzte zu wenig. Deshalb sollten Ärztinnen und Ärzte bis 30. November von der Opt-out-Möglichkeit Gebrauch machen, appelliert Markus Schuler, Personalchef der Krankenhäuserbetriebsgesellschaft (KHBG).

In einer dringlichen Kurienversammlung berieten die Ärztevertreter am Donnerstagabend die Problematik. Ihre einstimmige Empfehlung: rausoptieren, aber zeitlich begrenzt. "Damit das System aufrechterhalten werden kann", begründet Ärztekammer-Vizepräsident Hermann Blaßnig. Bis September 2015 sollten die Krankenhausträger aber ein neues Arbeitszeit- und Dienstmodell vorlegen, "das international konkurrenzfähig ist", macht Blaßnig Druck. Schließlich seien die Ländern durch die EU-Regelung nicht überrascht worden, sondern schlicht säumig.

Die Hausaufgaben gemacht hat Vorarlberg, anders als die östlichen Bundesländer, bei der Anpassung des Grundgehalts. Seit Juli 2013 bekommen Turnusärzte "österreichweit das höchste Einstiegsgehalt", sagt Schuler. Berufseinsteiger kommen auf ein Jahresbrutto von 50.000 Euro, mit Überstunden auf 70.000 Euro. Seit der Erhöhung sind alle Turnusplätze belegt.

Ärzte geben dem Land ein Jahr Zeit

"Für eine 48-Stunden-Woche ist das System nicht ausgelegt", sagt Blaßnig. Derzeit arbeiten Ärztinnen und Ärzte durchschnittlich 60 Stunden die Woche. Würden Ärztinnen und Ärzte weniger arbeiten, falle die Überstundenpauschale weg, kritisiert er. Dieser Verdienstentgang müsse kompensiert werden, fordert die Ärztevertretung. Zwei bis drei Jahre werde man für das neue Arbeitszeitmodell schon noch brauchen, sagt Schuler. Die Ärztinnen und Ärzte wollen bis September 2015 fertige Vorschläge sehen.

Vorarlberg hat mit knapp 380.000 Einwohnern fünf Landeskrankenhäuser mit 3.500 Beschäftigten. Die Stadt Dornbirn betreibt ein eigenes Krankenhaus. Einsparungen durch Zusammenlegungen von Abteilungen sind geplant, die Politik hält sich aber noch bedeckt. Vor der Gemeindevertretungswahl im März 2015 wird über Strukturreformen wohl nicht geredet. (Jutta Berger, derStandard.at, 14.11.2014)

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