Venice Beach: Wo Geeks und Boho-Schick aufeinandertreffen

Ansichtssache11. März 2015, 05:30
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In der von Autos überfluteten Stadt Los Angeles ist Venice einer der wenigen Plätze, wo die Straßen noch richtig belebt sind. Seit über einem halben Jahrhundert ist der Stadtteil ein kultureller Schmelztiegel, wo Hippies und Obdachlose gemeinsam mit jungen Kreativen und Computerfreaks in Harmonie leben.

Die Gegend ist bekannt für die vielen Palmen und die frische Meeresbrise die vom Pazifik aus über die Küste weht. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Stadtteil von einem heruntergekommenen Wohnviertel am Meer, zu "Silicon Beach". Alles dank der großen Firmen der digitalen Industrie, die sich hier vermehrt niedergelassen haben.

Als Touristenattraktion gegründet

Venice wurde 1905 vom Zigarettenhersteller Abbot Kinney, inspiriert von Europa, als Touristenattraktion gegründet. 1926 wurde es offiziell ein Stadtteil von Los Angeles.

Trotzdem hat Venice seine eigene Identität behalten. Hier gilt "leben und leben lassen". So hat es in den 50er Jahren auch Mitglieder der Beat Generation, eine Richtung der US-amerikanischen Literatur, in die Gegend verschlagen. Experimentelle Künstler, Architekten und Bohemians leben heute in Venice Tür an Tür.

In Venice gibt es drei größere belebte Straßen. Der Abbot Kinney Boulevard, die Rose Avenue und der Ocean Front Walk, welcher am Strand entlang führt und Straßenverkäufern, Skateboardern, Radfahrern und Badenden ein zu Hause bietet. Sie alle wollen Kaliforniens ewigen Sommer genießen.

Stilvoll Surfen

Auch wenn die benachbarten Orte Malibu oder Manhattan Beach populärer sind, ist Surfen in Venice unglaublich beliebt. Es herrschen die perfekten Bedingungen für Anfänger. Viele Surfschulen, zum Beispiel Aloha Brothers Surf Lessons, bieten günstige Einsteigerkurse.

Ein anderer weit verbreiteter Zeitvertreib ist Yoga. Brad Keimach, gelernter Musikdirigent, bietet Yogakurse am Strand für ungefähr 9 Euro an. Ein anderes Yoga und Spinning Studio, YAS, bezeichnet sich als "Om-freie Zone". Auf traditionelle Elemente, wie etwa das Singen oder das Aufsagen von Mantras, wird verzichtet.

Im Intelligentsia auf dem Abbot Kinney Boulevard, einem Ableger der Kaffeekette aus Chicago, sitzen junge Kreative vor ihren Laptops. Neben ihnen ihre kleinen Kinder, die alle Designerstücke tragen.

Ein Stück Italien

Einen Spaziergang entlang der Kanäle, die denen Venedigs nachempfunden sind, sollte man sich nicht entgehen lassen. Bereits vor hundert Jahren verzauberten sie die Bewohner Los Angeles und brachten ihnen ein Stück Italien näher.

Wer den typischen "Venice-look" haben möchte, sollte sich in den Geschäften entlang des Abbot Kinney Boulevards umsehen. Die Firma Aviator Nation verkauft ausgeblichene T-Shirts und Hosen, ein Muss für jeden Surfer. Oft in Venice zu sehen sind auch die hauchdünnen Blusen und Hemden von Velvet. Etwas ganz besonderes sind die handgemachten Hüte von Nick Fouquet.

Komplett ist das Outfit dann mit einem Fahrrad von Linus. Die schicken Räder im französischen Look sind für die Bewohner von Venice unabdinglich geworden.

Essen, Radfahren, Essen

Jeden ersten Freitag im Monat empfiehlt es sich bei einem der "food trucks", das sind mobile Imbissstände, auf dem Abbot Kinney Boulevard, vorbeischauen. Am längsten wartet man vermutlich bei Kogi, einem koreanisch-mexikanischen Imbissstand, dessen Inhaber, Roy Choi, für seine Tacos berühmt ist. Er gilt als einer der Mitbegründer des "food truck movements".

Weitere Höhepunkte in der Gastronomieszene von Venice sind zum Beispiel das Gjelina oder die Tasting Kitchen, beide befinden sich ebenfalls auf dem Abbot Kinney Boulevard. Das Restaurant Barnyard von Chefkoch Jesse Barber auf der Pacific Avenue, nahe dem Strand, ist einer der Geheimtipps der Gegend.

Ausblick auf Malibu

Die bekannteste Sehenswürdigkeit in Venice ist aber der Ocean Front Walk. Er ist voll von Touristen die an Schlangenbändigern oder Verkäufern vorbei gehen, die versuchen einem eine Verordnung für medizinisches Marihuana anzudrehen. Wer genug vom Schlendern hat, kann sich preiswert ein Fahrrad oder ein Skateboard ausborgen. Bei "Venice Boardwalk Bike Rental" bekommt man ab ungefähr 18 Euro pro Tag ein Rad. Entlang des Marvin Braude Bike Trails hat man einen schönen Ausblick auf die Santa Monica Mountains, Malibu und Catalina Island.

Für einen flüchtigen Eindruck von Venice geht man am Besten in die Rose Avenue. In der entspannten Superba Snack Bar wird man mit kleinen Köstlichkeiten verwöhnt.

Abgerundet wird eine Reise nach Venice mit einem Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Venice. Etwa bei Frank Gehrys binokularem Gebäude, welches 1991 fertig gestellt, und zuletzt von Google gemietet wurde. (Reuters, jw, derstandard.at, 23.02.2015)

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foto: reuters/jonathan alcorn

Der "Venice"-Schriftzug leuchtet auf der Windward Avenue. Ein beliebtes Fortbewegungsmittel in Venice ist das Fahrrad.

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