Crowdfunding für Grundlagenforschung: Ernüchternde Bilanz

14. November 2014, 12:28
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Portal "Inject-Power" konnte in einem Jahr nur 3.234 Euro für zehn beworbene Projekte zusammenkratzen

Wien - Die Finanzierung von Grundlagenforschung per Crowdfunding dürfte nicht so einfach sein. Das zeigt die ernüchternde Erfahrung des ersten österreichischen Crowdfunding-Portals "Inject-Power" in diesem Bereich: Nach einem Jahr sind für die zehn beworbenen Projekte in Summe äußerst magere 3.234 Euro (Stichtag: 13.11.) zusammengekommen. Initiator Rüdiger Schweigreiter will das Konzept nun überdenken.

Hintergrund

Im September 2013 ist das Portal online gegangen. Weil die Anforderungen an die Grundlagenforschung immer komplexer würden und gleichzeitig die öffentlichen Budgets bei steigenden Kosten der Forschung nicht mithalten können, wollte Schweigreiter private Sponsoren in die Forschungsförderung einbinden, wie er damals sagte.

Das Konzept der Plattform sieht vor, nur Projekte von Partner-Institutionen wie der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft, dem Naturhistorischen Museum Wien oder dem Österreichischen Archäologischen Institut zur fördern. Für zehn ausgewählte Forschungsprojekte dieser Einrichtungen wird nun seit einem Jahr Geld gesucht.

Einzelspende macht zwei Drittel der Gesamtsumme aus

Am erfolgreichsten war dabei ein Projekt zur Erforschung der römischen Handelsmetropole Aquileia bei Grado (Italien), für das - dank einer größeren Einzelspende - bisher 2.300 Euro gesammelt wurden. Es ist das einzige Vorhaben, das mehr als 1.000 Euro erhalten hat. Die Hälfte der Projekte blieb unter der 100-Euro-Marke, ein Projekt bilanziert bisher mit null.

Für Schweigreiter gibt es eine "klare Bilanz - die Community erwartet mehr Content". Projektleiter müssten für ein erfolgreiches Projekt regelmäßig Inhalte generieren. Wobei Schweigreiter bewusst ist, dass sich da "die Katze in den Schwanz beißt: die Projektleiter warten auf Zuwendungen der User und wären dann vielleicht motivierter, regelmäßig Blogeinträge zu verfassen. Andererseits sind die User anspruchsvoll und wollen keine toten Projekte unterstützen".

Änderungen angedacht

Der Initiator überlegt aber auch Änderungen an der Plattform selbst: Man müsse darüber nachdenken, ob das Konzept der institutionellen Anbindung wissenschaftlicher Einrichtungen an die Plattform "sinnvoll ist oder nicht doch eher limitierend".

Derzeit können nur solche Wissenschafter auf dem Portal Geld einwerben, deren Institution offizieller Kooperationspartner ist. Wenn man dies ändere, könnte man mehr Dynamik hineinbringen, meinte Schweigreiter. Eine solche Öffnung würde aber auch den Verlust der steuerlichen Absetzbarkeit der Forschungsspende bedeuten. Dass sich Crowdfunding für Grundlagenforschung grundsätzlich nicht eignet, glaubt Schweigreiter nicht und verweist auf erfolgreiche Beispiele im angelsächsischen Raum. (APA/red, derStandard.at, 14. 11. 2014)

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