Großer Bär und Großer Beidl

Kolumne14. November 2014, 17:00
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Die gamsigen Scherze der Weltraumforscher

Da sage noch einer, Wissenschafter seien humorlos, Leute mit dicken Brillen, die am liebsten mit zusammengekniffenen Hinterbacken am nächsten Algorithmus arbeiten und zum Lachen schnell in den Keller gehen. Und auch das nur, wenn sich das Lachen gar nicht vermeiden lässt.

Unsere Weltraumforscher haben in den vergangenen Tagen überzeugend das Gegenteil bewiesen und gezeigt, dass sie für gamsige Scherze immer zu haben sind. Denn: An sich gäbe es ja Myriaden an Möglichkeiten, Weltraummissionen und Kometen mit unverfänglichen Namen zu versehen: Mission "Für den Hugo", Mission "Sternstunde", Mission "Lammkotelett an Balsamicoschäumchen" zum Beispiel, bzw. Komet "Karl", Komet "Kotzbrocken" oder Komet "Peter Westenthaler" ("Mayday, Mayday, Peter Westenthaler nähert sich in rasender Geschwindigkeit der Erdatmosphäre".)

Dann aber eine Mission, die ohnehin schon auf den Kometen "Tschuri" führt, just noch "Rosetta" zu taufen, lässt tief blicken. Da haben sich zweifellos ein paar entfesselte Laboratoriumssaubären dazu entschlossen, zur Belustigung des irdischen Publikums ihre schweinischen Eindrücke am Himmelszelt zu hinterlassen: Wo ein Komet, da auch ein Schweif, und wo ein Schweif, ist auch der Tschuri nicht fern. Selbstverständlich traten sie damit weitschweifige Debatten in den heimischen Postingforen los, was denn nun unter einem Tschurifetzen zu verstehen sei und wie es das p. t. Publikum persönlich mit diesem Utensil halte. Georg Danzer, schau owe!

Nach diesem vielversprechenden Anfang wäre es sehr schön, wenn man auch andere Erscheinungen im Universum umtaufen und mit animierenderen Namen versehen würde, um die gesamtkomische Heiter- und Gamsigkeit weiterhin anzufachen. Hier ein paar Vorschläge zur Güte: Sackrunzel statt Saturn, Muschi statt Mars, Minettegoscherl statt Merkur, Nudel statt Neptun. Auch bei den Sternbildern gibt's Umbenennungsbedarf: Großer Beidl statt Großer Bär, Rosette statt Stern des Südens.

Bei Sonne und Mond wäre es wahrscheinlich am besten, sie kurzerhand auf Arsch und Friedrich umzutaufen: "Liebling, wir haben heut eine wunderbare Nacht. Wollen wir nicht zusammen einen Spaziergang im Vollfriedrich machen?" Sehr viel romantischer kann man das eigentlich kaum ausdrücken. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 15./16.11.2014)

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