Bürgerproteste gegen Migranten in Rom 

14. November 2014, 11:54
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Flüchtlingslager am Rand der Hauptstadt nach mehrtägigen Anrainerprotesten geräumt

Rom - Bürgerrevolten gegen Migranten sorgen seit Tagen für Spannungen in Rom. Ein sechsstöckiges Gebäude im Westen der Hauptstadt, in dem 72 afrikanische Flüchtlinge auf Kosten der Gemeinde untergebracht waren, wurde am Donnerstag unter dem Druck massiver Bürgerproteste teilweise geräumt.

Die minderjährigen afrikanischen Asylanten wurden in anderen Einrichtungen der Gemeinde Rom untergebracht. 35 Asylbewerber, die seit Tagen in der Flüchtlingseinrichtung verschanzt sind, sollen demnächst die Struktur verlassen, teilte die Gemeinde mit.

Protest gegen Flüchtlinge

Seit Tagen protestieren die Bewohner des römischen Peripherie-Viertels Tor Sapienza gegen die Flüchtlinge, die der Diebstähle und Überfälle beschuldigt werden. Diese Woche hatten wütende Bewohner versucht, das Auffanglager zu stürmen und es mit Molotov-Cocktails in Brand zu setzen. Ein Migrant aus dem Kongo wurde angegriffen und verletzt. Aus Angst, die Proteste könnten eskalieren, beschloss die Gemeinde Rom, das Flüchtlingslager zu räumen.

"Frauen gehen mit Messern auf die Straße, weil sie Überfälle befürchten. Wir werden unseren Protest erst dann einstellen, wenn alle Migranten das Flüchtlingslager verlassen", betonte ein aufgebrachter Bewohner. Die Proteste brachen in einem schwierigen Viertel aus, das von Kriminalität und hoher Arbeitslosigkeit belastet ist. "Wir sind nicht Rassisten, wir haben es nur satt!", war auf dem Plakat eines wütenden Bürgers zu lesen. Solidarisch mit den Demonstranten erklärte sich der EU-Abgeordnete der Lega Nord Mario Borghezio. Der "Hardliner" der Lega Nord besuchte am Freitag das römische Viertel.

"Krieg unter Armen"

Als "Krieg unter Armen" bezeichnete die Tageszeitung "La Stampa" am Freitag die gespannte Lage in Tor Sapienza. In ganz Italien würden Proteste gegen Migranten und Roma zunehmen. In Mailand hatten in den vergangenen Monaten mehrere Personen wiederholt gegen neue Roma-Ansiedlungen am Rande der Stadt protestiert. Italien stöhnt unter einem Rekordansturm von Migranten. In diesem Jahr sind nach offiziellen Angaben bereits etwa 150.000 Menschen angekommen.

Die ausländerfeindliche Oppositionspartei Lega Nord führt eine scharfe Kampagne gegen die Einwanderungspolitik der Regierung Renzi. Sie attackiert auch den Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, der sich zuletzt bereit erklärt hatte, in Südtirol weitere Migranten aufzunehmen und ein Flüchtlingslager am Brenner aufzumachen. "Hoffentlich will Kompatscher den Brenner nicht in ein Freilicht-Auffanglager umwandeln. Er sollte sich über die sozialen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden im Klaren sein, die diese wilde Aufnahmepolitik verursacht", klagte kürzlich der Trentiner Lega-Regionalratsabgeordnete Maurizio Fugatti. (APA, 14.11.2014)

  • Ausschreitungen vor einer Flüchtlingseinrichtung in Rom.
    foto: ap/alessandra tarantino

    Ausschreitungen vor einer Flüchtlingseinrichtung in Rom.

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