Eurozone-Wirtschaft schleppt sich dahin

14. November 2014, 15:28
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Griechenland schafft das stärkste Wachstum aller Euro-Länder, Deutschland schrammt knapp an der Rezession vorbei

Luxemburg - Trotz anziehender Konjunktur in einigen Krisenländern kommt die Wirtschaft in der Eurozone kaum in Schwung. In den 18 Ländern zwischen Portugal und Finnland legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie die Brüsseler Statistiker von Eurostat mitteilten.

Ausgerechnet der einstige Pleitekandidat Griechenland setzte sich mit einem Plus von 0,7 Prozent an die Spitze. Das Ägäis-Land dürfte 2014 nach sechs Jahren mit schrumpfender Wirtschaft erstmals wieder wachsen. Auch Spanien legte mit um 0,5 Prozent deutlich zu. Deutschland schrammte mit einem Mini-Zuwachs von 0,1 Prozent knapp an einer Rezession vorbei, doch sprang der Wachstumsmotor in Frankreich wieder an. Dort sorgte der Staat mit seinen Ausgaben für Auftrieb, während in Berlin die schwarze Null im Bundesetat 2015 von der großen Koalition festgezurrt wurde. Italien steckt dagegen in der Rezession fest: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte hier um 0,1 Prozent.

Konsumlaune in Deutschland

Kauffreudige Verbraucher und steigende Exporte hielten die deutsche Wirtschaft im Sommer über Wasser. Das von SPD-Chef Sigmar Gabriel geführte Wirtschaftsministerium hält die Konjunktur trotz rückläufiger Werte im Frühjahr und des nun nur geringen Zuwachses für "gefestigt". Zwei Minus-Quartale in Folge bezeichnen Volkswirte als Rezession: "Diese zeichnet sich nicht ab", betonte die Mainzer Wirtschaftsweise Isabel Schnabel. Sie gehört dem Sachverständigenrat an, der für 2014 ein Anziehen der Konjunktur um 1,2 Prozent veranschlagt. Voriges Jahr hatte sie nur um 0,1 Prozent zugelegt.

Mit großen Sprüngen rechnet Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer aber auch in den kommenden Monaten nicht. "Im vierten Quartal dürfte sich die deutsche Wirtschaft ähnlich schwach entwickeln, weil die Auftragseingänge und das Ifo-Geschäftsklima in der Tendenz nach unten zeigen."

Ausstieg aus der Schuldenspirale

Trotz der wackligen Konjunktur leitete die große Koalition den Ausstieg aus der Schuldenspirale ein. Der Haushaltsausschuss des Bundestages einigte sich für 2015 auf einen Etat ohne neue Kredite. Damit steht erstmals seit 1969 wieder eine "schwarze Null" im Etatentwurf des Bundes. In der Opposition, aber auch in der SPD-geführten Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, regte sich Kritik an dem Vorhaben. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach jüngst von einem "Fetisch", doch Deutschland müsse auch in seine Zukunft investieren.

Der ausgeglichene Haushalt ist ein Kernprojekt von Union und SPD. In die Hände gespielt haben der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dabei vor allem die hohe Beschäftigung und die steigenden Steuereinnahmen. Zudem profitiert der Bund indirekt von den niedrigen Zinsen der EZB, die die Wirtschaft in Europa mit milliardenschweren Geldspritzen anzukurbeln versucht.

Aussichten für viele Länder trüb

Experten hatten dennoch für den Währungsraum nur ein Wachstum von 0,1 Prozent auf dem Zettel. Dass es doppelt so stark ausfiel, lag unter anderem an Frankreich. Dessen BIP legte um 0,3 Prozent zu, auch weil der Staat seine Ausgaben steigerte. Volkswirte warnen allerdings davor, bereits die wirtschaftliche Renaissance des EU-Schwergewichts auszurufen: "Wir erwarten, dass Frankreich dem Rest der Eurozone auch 2015 und 2016 hinterherhinken wird", prophezeite Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Auch die Konjunkturaussichten für die Eurozone bleiben wegen der hohen Arbeitslosigkeit in vielen Ländern und dem Sparzwang der Regierungen mau. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2014 von 1,2 auf 0,8 Prozent und für 2015 von 1,7 auf 1,1 Prozent. (APA, 14.11.2014)

  • Vom Musterschüler zum Bremsklotz: Die deutsche Wirtschaft verzeichnet lediglich ein Mini-Plus..
    foto: ap/fabian bimmer

    Vom Musterschüler zum Bremsklotz: Die deutsche Wirtschaft verzeichnet lediglich ein Mini-Plus..

  • Artikelbild
    grafik: apa
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