Banken verlieren an Attraktivität

16. November 2014, 14:41
22 Postings

Schlechte Nachrichten für Banken und Versicherungen: Die Absolventen der Wirtschaftsunis weltweit drehen der Branche den Rücken zu und haben eher Konsumgüterkonzerne im Auge

Nach der Uni ein paar Jahre in die Bank und dann ab per Katapult in eine große Karriere: Das war lange Zeit ein probater Weg für ambitionierte Wirtschaftsabsolventen. Auch in Österreich.

Mit dem G'riss um ein Einstiegsticket in eine Bank ist es nun allerdings vorbei. Noch schlimmer: Laut aktuellem globalem Banking Survey von Deloitte (auf Basis von Befragungen unter 700.000 Studenten und Professionals von 2000 Universitäten und Hochschulen durch Universum) hat der Finanzbereich dramatisch an Attraktivität für die künftigen Karrieristen verloren und läuft Gefahr, dass eine ganze Generation Talent an ihm vorbeirauscht.

"Schokolade, Waschmittel und Lippenstift statt Credit Default Swaps, Zertifikaten und Firmenübernahmen", beschrieb die Financial Times die Ergebnisse in der Vorwoche. Im Klartext: Die Wunscharbeitgeber der Wirtschaftsabsolventen sind die Konsumgüterkonzerne. Banken sind global gesehen auf den zweiten Platz abgerutscht. Platz drei hält die Software- und Computerindustrie.

Platz neun in Österreich

In Österreich ist das Bild noch eindeutiger: Banken belegen hier nur Platz neun der Wunscharbeitgeber. Vorne liegen die Konsumgüter, gefolgt vom automotiven Bereich. Glücklicher darf sich hierzulande nur Raiffeisen schätzen - gefragt nach den konkreten Wunscharbeitgebern, lautet das Ranking: Red Bull, Google, BMW, Audi und auf Platz fünf Raiffeisen.

Hinter diesen Ergebnissen steht nicht nur ein offenbar recht angeschlagenes Arbeitgeber-Image der Banken, die als starr empfunden werden, sondern auch eine Werteverschiebung: Work-Life-Balance geben die jungen Absolventen als ihr wichtigstes Karriereziel an. "Und es zeigt sich", sagt Margarete Doyle, Chefin des Bereichs Financial Services bei Deloitte in London, "dass die Karotte einer sehr guten Bezahlung im Bankbereich nicht mehr Topmotivator ist."

Mit 58 Prozent bilden Frauen in dieser Befragung die Mehrheit, was nicht nur den Absolvententrend abbildet, sondern auch das gute Abschneiden der Konsumgüterindustrie ebenso erklären könnte wie wachsende Vorbehalte gegen den Finanzbereich. Denn seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 scheint das Arbeitgeber-Image dort en suite zu bröckeln.

Detail: Nur zwei Fünftel der Befragten assoziieren Banken mit "ethischen Standards", viele wünschen sich "inspirierendes Management", erwarten aber nicht, dies in einer Bank zu finden. Selbst Studierende, die ihren Wunscharbeitgeber im Bankenbereich sehen, sind nicht bereit, die dort erwarteten Anforderungen zu erfüllen: Große Verantwortung tragen, interaktiv im Kundenkontakt stehen und herausfordernde Arbeit leisten heißen die Zuschreibungen.

Entwicklungschancen

Für Österreichs Banken liegen in diesen Befragungsdetails allerdings auch gute Nachrichten, Studenten meinen in den heimischen Banken nicht nur Führungschancen zu finden, sondern auch nach klarer Performance bewertet zu werden und von ihren Vorgesetzten Förderung zu erfahren.

Diese Erwartung nach professioneller Förderung durch Arbeitgeber steht weltweit auf der Wunschliste der Jungen ganz oben.

Besonders unpopulär sind Versicherungen als Arbeitgeber in dieser Absolventenliga: Platz 18 von 30. Auch hier warnt Deloitte: Wird nicht am Arbeitgeber-Image gearbeitet, dann verliert die Branche - inmitten großer Transformation auch hinsichtlich Digitalisierung - eine ganze Generation Talent. Gearbeitet werden sollte hier mit den Entwicklungschancen und dem besonderen Ansprechen von Frauen. (Karin Bauer, DER STANDARD, 15./16.11.2014)

  • Artikelbild
Share if you care.