Förderung für bayerische Pornoseite sorgt für Aufregung

14. November 2014, 09:52
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"Ankaufsplattform nur für Hardcore-Erotikfilme" erhielt Innovationsgutschein

Eine Investition des Freistaats Bayern in ein Onlineportal sorgt derzeit für Aufregung. Im Rahmen eines Förderprogramms des Wirtschaftsministeriums wurde eine Website für Hardcore-Pornografie finanziell unterstützt, berichtete der Bayerische Rundfunk (BR).

Ankauf von Pornofilmen

Die Seite larotika.de kauft von Privatkunden "Hardcore-Erotikfilme ab 18" an. Von der Bayern Innovativ GmbH gab es dafür im Jahr 2012 einen sogenannten Innovationsgutschein in Höhe von 17.000 Euro. Gegenüber dem BR hieß es in einer Stellungnahme: "Die Innovation im vorliegenden Fall ermöglicht insbesondere den Vertrieb unter Beachtung aller Jugendschutzauflagen in Deutschland."

Nun rudert das Ministerium allerdings zurück und erklärt in einer Aussendung, dass die Entscheidung "in alleiniger Verantwortung" von der Bayern Innovativ GmbH getroffen worden sei. Betont wird auch, dass die Vergabe in die Zeit vor dem Amtsantritt von Staatsministerin Ilse Aigner gefallen sei.

Richtlinien werden überprüft

"An der Förderung eines Unternehmens, das Erotikfilme an über 18-Jährige über eine Online-Plattform an- und verkauft, gibt es berechtigte Kritik", erklärte das Ministerium. Aktuell würden die Richtlinien zur Vergabe überarbeitet.

Kritik

Die oppositionelle SPD kritisierte, dass die Vergabekriterien damals offensichtlich nicht überprüft worden seien. Mit den Innovationsgutscheinen sollten eigentlich junge Unternehmen und Handwerksbetriebe unterstützt werden. "Pornoplattformen gehören meiner Meinung nach überhaupt nicht staatlich gefördert", sagte SPD-Wirtschaftssprecherin Annette Karl.

Förderungswürdig

Bei larotika.de kann man die Aufregung hingegen nicht verstehen. Die Seite wird von der Jakob GmbH, einem Großhandel für Home-Entertainment-Produkte, geführt. Dem BR sagte Betreiber Jan Jakob, dass man extra nachgefragt habe, ob eine solche Seite förderungswürdig sei. Bei der Bayern Innovativ GmbH habe man damals erklärt, dass alle Antragsteller gleich behandelt würden.

Pornobranche vs. Google

Dass die Branche für Erwachsenenunterhaltung ungleich behandelt werde, kritisierten zuletzt Schauspieler und Produzenten in Großbritannien. Allerdings ging es in diesem Fall darum, dass Google die Branche nicht im Kampf gegen Piraterie unterstützt, wie es bei Musik- und Filmbusiness der Fall ist. (red, derStandard.at, 14.11.2014)

  • Ist eine Pornoseite förderungswürdig? Die Frage beschäftigt derzeit Bayern.
    screenshot: red

    Ist eine Pornoseite förderungswürdig? Die Frage beschäftigt derzeit Bayern.

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