Rosetta und Ursula Stenzel: Erst der Komet, dann die Stadt

13. November 2014, 18:30
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Sie wollte aus der Inneren Stadt das machen, was Tschuri schon lange ist: eine Ruhezone ohne Punschhütten, Bierdosen und Demonstranten

Manches Mal stößt sogar das Fernsehen an extraterrestrische Grenzen. Das Schicksal der niedlichen Landefähre Philae rührt zu Recht die ganze Welt. Leider Gottes tappen die TV-Stationen vornehmlich im Dunklen. Sie mussten Abbildungen des Landevorgangs schuldig bleiben. Die Sorge des Publikums galt somit den Füßchen, die Blechknülch Philae von den Raumfahrttechnikern verpasst bekommen hat.

Das Kerlchen gebraucht Ankerharpunen als Krallen. Nun besteht der Komet mit Namen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aus puderigem Staub: Wenigstens diesen Eindruck legen die kargen ORF-Bilder nahe. Ein ins "ZiB 2"-Studio geladener Weltraumforscher wusste über "Tschuri" fast nichts Nettes zu berichten. Die öde Halde sei ein "gefrorener schmutziger Schneeball", ein "mit Eis durchsetzter Sandhaufen". Jeder Besuch von Wladiwostok nimmt sich dagegen aus wie eine Reise in ein Land voller blühender Zitronenbäume. Man muss die Reize Tschuris erst noch schätzen lernen. Der Kometentourismus steckt in den Kinderschuhen. Eine Anreisezeit von zehn Jahren gilt gerade auch für kinderreiche Familien eher als No-Go.

Den umgekehrten Weg der touristischen Erschließung ist die tapfere Ursula Stenzel gegangen. Die soeben geschasste Bezirksvorsteherin wollte aus der Inneren Stadt das machen, was Tschuri schon lange ist: eine Ruhezone ohne Punschhütten, Bierdosen und Demonstranten. Da die abrupt in den Ruhestand versetzte Dame seit Tagen nicht zu greifen ist, widmete ihr die "ZiB 2" einen nicht sehr liebevollen (politischen) Nachruf.

Dabei sähe eine taktvolle Lösung so einfach aus: Ursula Stenzel übernimmt den Posten einer Kometenvorsteherin. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 14.11.2014)

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    foto: heribert corn
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