Tonaufnahme von IS-Chef Baghdadi aufgetaucht

13. November 2014, 20:24
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Totgeglaubter IS-Chef könnte noch am Leben sein - Authentizität der Aufnahme noch nicht geklärt

Bagdad - Nach tagelangem Rätselraten über das Schicksal des totgeglaubten Jihadistenführers Abu Bakr al-Baghdadi hat dessen Miliz "Islamischer Staat" (IS) am Donnerstag eine Tonaufnahme veröffentlicht, in der der IS-Chef zu hören sein soll. Sollte die Stimme wirklich zu ihm gehören, dürfte Baghdadi noch am Leben sein. Zwar nimmt der Sprecher in der 17-minütigen Aufnahme nicht direkt Bezug auf den Luftangriff der US-geführten Militärkoalition vom 7. November, nach dem die Gerüchte über Baghdadis Tod aufgekommen waren. Er erwähnt aber Geschehnisse, die sich seither ereignet haben. Die Authentizität der Tonaufnahme ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Konvoi angegriffen

Das US-Militärkommando hatte am vergangenen Wochenende mitgeteilt, bei Luftangriffen nahe der irakischen Stadt Mossul einen Konvoi aus zehn gepanzerten Fahrzeugen zerstört zu haben. Der Angriff habe sich gegen ein "Treffen von IS-Anführern" gerichtet. Daraufhin war über Baghdadis Tod spekuliert worden. Sowohl die USA als auch irakische Geheimdienstvertreter betonten aber, dass es keine gesicherten Erkenntnisse über das Schicksal des IS-Anführers gebe.

Die Tötung des selbsternannten Kalifen wäre ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen die Jihadisten, die USA haben zehn Millionen Dollar (acht Millionen Euro) für seine Festnahme ausgesetzt. Baghdadi wird inzwischen als mächtiger eingeschätzt als der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri.

"Bis sie Rom erreicht"

In der nun veröffentlichten Tonaufnahme kündigte der Sprecher weitere Eroberungszüge der IS-Miliz an. "Sie wird ihren Vormarsch nicht stoppen und ihn mit Allahs Segen weiter ausdehnen", heißt es darin, "bis sie Rom erreicht". An Andersgläubige ergeht die Drohung, ihre Staaten in einen blutigen Bodenkrieg zu verwickeln: "Bald werden Juden und Kreuzzügler dazu gezwungen sein, sich auf den Boden zu begeben und ihre Infanterie in den Tod und in die Zerstörung zu schicken."

Die IS-Kämpfer hatten in den vergangenen Monaten mehrere Regionen im Irak und in Syrien erobert, woraufhin sich eine internationale Militärallianz zusammentat. Diese fliegt seit Wochen in beiden Ländern Luftangriffe auf die Jihadisten, konnte sie bisher aber nicht entscheidend zurückdrängen, wofür Militärexperten vor allem fehlende Kampfunterstützung auf dem Boden verantwortlich machen.

Irrtum bereits 2005

Bereits im Herbst 2005 nahm die US-Armee an, Baghdadi bei einem Angriff im irakisch-syrischen Grenzgebiet getötet zu haben - ein Irrtum, wie sich später herausstellte. Im Jahr 2010 übernahm er dann die Führung des damals noch "Islamischer Staat im Irak" genannten IS-Vorläufers, nachdem seine beiden Vorgänger getötet worden waren. Unter seinen Gefolgsleuten hat sich Baghdadi seither als Kommandant und Taktiker großes Ansehen verschafft.

Experten zufolge finanziert sich die Miliz bisher vor allem durch Lösegelder für Entführungsopfer sowie durch Plünderungen und die Ausbeutung von Ölfeldern in den von ihr besetzten Gebieten. Darüber hinaus plant die IS-Miliz nun offenbar auch die Ausgabe einer eigenen Währung: Münzen aus Gold, Silber und Kupfer sollten "das tyrannische Währungssystem" ablösen, "das den Muslimen aufgezwungen wurde und zu ihrer Unterdrückung geführt hat", hieß es in einer Mitteilung der Jihadistenorganisation vom Donnerstag. (APA/Reuters, 13.11.2014)

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