Eine harsche Umwelt gebiert strenge Götter

13. November 2014, 18:18
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Forscherteam betont die Rolle der Ökologie - Normen fördern die Zusammenarbeit

Raleigh/Wien - Im Verlauf ihrer Geschichte hat sich die Menschheit unzählige Götter mit höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten geschaffen, entspannte ebenso wie kleinlich moralinsaure. Ganz wie die Menschen selbst sind.

Forscher um Carlos Botero von der North Carolina State University in Raleigh haben versucht, in dieser Vielfalt ein System aufzuspüren. Und wie sie im Fachmagazin PNAS berichten, glauben sie es tatsächlich gefunden zu haben.

Das interdisziplinäre Forschungsteam untersuchte insgesamt 583 menschliche Gesellschaften und Glaubenssysteme. Dies wurde mit detaillierten ökologischen Daten verglichen, etwa der Niederschlagsmenge oder dem Pfanzenwachstum. Die festgestellte Tendenz: Wo die Umweltbedingungen harsch oder wechselhaft sind und Katastrophen wie Dürren auftreten, etablierten sich Religionen um strenge, auf Moral pochende Götter.

Den Grund dafür sehen die Forscher darin, dass von solchen Göttern vorgegebene Normen die Zusammenarbeit fördern - es handle sich also um eine Überlebensstrategie. Zusammen mit Faktoren wie dem Komplexitätsgrad einer Gesellschaft oder dem Ausmaß, in dem sie Privatbesitz erlaubt, soll dies zu 91 Prozent die unterschiedlichen Charakterzüge von Religionen erklären können. (jdo, DER STANDARD, 14. 11. 2014)

  • Die mesoamerikanische Gottheit Tlaloc wurde ebenso sehr verehrt wie gefürchtet: Sie gebot in der Vorstellung der dortigen Kulturen über Wetter und Unwetter.
    foto: reuters/henry romero

    Die mesoamerikanische Gottheit Tlaloc wurde ebenso sehr verehrt wie gefürchtet: Sie gebot in der Vorstellung der dortigen Kulturen über Wetter und Unwetter.

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