Forscher verlängern das Leben von Schmetterlingen ums Dreifache - mit Licht

16. November 2014, 15:17
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Lichtverhältnisse haben auf die Lebensdauer mediterraner Schmetterlinge der Gattung Maniola offenbar enormen Einfluss

Wien - Warum manche Tiere sehr alt werden und andere nicht, ist eine noch ungelöste Frage in der Biologie. Forscher der Universität Wien beschäftigten sich mit diesem Themenkomplex nun anhand von Schmetterlingen. Dabei fanden sie heraus, dass mediterrane Schmetterlinge der Gattung Maniola (Ochsenaugen) länger leben, wenn sie unter den Lichtverhältnissen eines "ewigen Sommers" gehalten werden. Die Studie wurde aktuell im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht.

Die Lebensdauer jedes Organismus hat eine natürliche physiologische Grenze. Für Wirbeltiere ist diese relativ gut bekannt. "Ein Elefant lebt ungefähr 40 Mal länger als eine Feldmaus. Wir wissen, dass genetische Anlagen und der Einfluss der Umwelt eine Rolle spielen", erklärt Andrea Grill, Biodiversitätsforscherin an der Universität Wien. Über die maximale Lebensdauer von Insekten, mit Ausnahme der Fruchtfliege Drosophila, wisse man hingegen vergleichsweise wenig.

Herbst- und Sommerverhältnisse

Für die vorliegende Studie sammelten Grill und Kollegen mehr als hundert lebende Schmetterlinge der Gattung Maniola, die sowohl im Mittelmeerraum als auch in Österreich vorkommen. Am Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien wurden die Tiere in zwei Untersuchungsgruppen geteilt: Die erste Gruppe wurde unter Bedingungen gehalten, wie sie im Hochsommer herrschen: 16 Stunden hell, acht Stunden dunkel. Die zweite Gruppe bekam herbstliche Lichtverhältnisse: elf Stunden hell, 13 Stunden dunkel.

Die Versuchstiere waren ausschließlich Weibchen. Während die Männchen nämlich kurz nach der Paarung sterben, leben die Weibchen länger - bis zur Eiablage. Hier liegt auch der große Unterschied zwischen den mediterranen und den österreichischen Ochsenaugen: In heißen Gegenden halten die Maniola-Weibchen einen Sommerschlaf, den sie nur unterbrechen, um Nektar zu saugen. Ihre Eier legen sie erst Ende September ab. Dann fällt wieder genug Regen, so dass die frisch geschlüpften Raupen ausreichend frisches Gras als Futter vorfinden. In kühleren Lagen hingegen, z.B. in den österreichischen Alpen, legen die Schmetterlinge die Eier sehr rasch nach der Befruchtung ab.

Effekt nur bei mediterranen Faltern

Nun zeigte sich, dass jene Schmetterlinge, die unter sommerlichen Lichtverhältnissen gehalten wurden, zwei- bis dreimal so alt wurden wie jene aus der "Herbstgruppe": nämlich bis zu 246 Tage. "Diesen Rekord unter den europäischen Tagfaltern stellen aber nur die Schmetterlinge aus dem Mittelmeerraum auf", betont Grill. Die in Österreich heimischen Falter hätten hingegen keine Veränderung ihrer natürlichen Lebensdauer gezeigt.

Zum Vergleich: In der Natur leben die untersuchten Tagfalter nur etwa 20 bis 120 Tage, den Großteil ihres kurzen Lebens verbringen sie als Raupen. (red, derStandard.at, 16.11.2014)

  • Rekord(h)alter: Manche der Falter wurden bis zu 246 Tage alt.
    foto: elena haeler

    Rekord(h)alter: Manche der Falter wurden bis zu 246 Tage alt.

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