Wertekongress: Jugendliche lernen Inklusion

13. November 2014, 15:46
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2.200 Jugendliche erfuhren beim Kongress "Was im Leben wirklich zählt", wie Menschen Schicksalsschläge bewältigen

Bregenz – Hunderte Jugendliche stehen vor dem Festspielhaus in Bregenz. Sie diskutieren angeregt. Es ist Donnerstagmittag, sie haben soeben einen Vortrag von Samuel Koch gehört. Jenem früheren Raumfahrt- und Sportstudenten, der seit einer misslungenen Wette bei "Wetten, dass..?" querschnittgelähmt ist.

Koch, heute 27 und Schauspieler am Stadttheater Darmstadt, hat als einer von vier Vortragenden bei dem Kongress "Was im Leben wirklich zählt" vor 2.200 jungen Menschen über sein Leben sinniert. Mit feiner Ironie versuchte er Antworten auf die Frage nach den wesentlichen Werten. Er, dessen Lebenspläne mit Sport und Bewegung verknüpft waren, finde nun Glücksmomente in den "kleinen Dingen des Lebens". Nie habe er die Hoffnung auf Heilung aufgegeben und den Glauben an Veränderung. Koch wurde bejubelt.

Alles wird relativ

Die Botschaft ist angekommen. "Glücklich und dankbar sein für jeden einzelnen Moment im Leben", hat der 16-jährige Lehrling Jan Marte aus dem Vortrag gelernt. Bilge Cakir kann sich nun eher "vorstellen, wie es jemandem im Rollstuhl geht". Ihre Freundin Marina Cazimovic (17) meint selbstkritisch: "Und wir glauben, das Leben ist vorbei, wenn die Frisur nicht sitzt."

Der Wertekongress wird seit 2007 in acht spanischen Städten veranstaltet. Nach Ecuador, Mexiko und Portugal ist Österreich das erste deutschsprachige Land, in dem versucht wird, Jugendlichen über Menschen mit besonderen Biografien Werte zu vermitteln. Den Gratisbesuch ermöglichen Sponsoren, in Bregenz allen voran die Turnauer Privatstiftung.

Die Inklusionsaktivisten Simone und Patrick Fürnschuß, Freunde des spanischen Schauspielers und Lehrers Pablo Pineda, brachten die Kongressidee nach Bregenz. Pineda, der trotz Downsyndrom einen Hochschulabschluss schaffte, war einer der Referenten. Sein Credo: Menschen sollten in alle ihren Unterschieden akzeptiert werden. (Jutta Berger, derStandard.at, 13.11.2014)

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