Umdasch lässt Mitarbeiter über Lohnverzicht oder Jobabbau entscheiden

13. November 2014, 15:13
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Am Standort Amstetten soll die Belegschaft im großen Stil über Lohnkürzungen abstimmen, andernfalls sehe es wohl düster aus

"Wir wachsen und suchen deshalb qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, " heißt es auf der Homepage der Umdasch Group. Bei den Mitarbeitern der Unternehmenstochter Shopfitting Group dürfte dieser Slogan wohl etwas weniger gut ankommen. Denn das Management des Geschäftsausstatters im niederösterreichischen Amstetten lässt bis 13. November die Mitarbeiter darüber abstimmen, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll. So wurde der Belegschaft bereits Ende Oktober im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung mitgeteilt, dass sie für den Erhalt des Standortes Amstetten - gelinde gesagt - ihr Scherflein beitragen werden müssten.

Die Mitarbeiter sind nun aufgerufen, auf einem Fragebogen darüber abzustimmen, ob sie an eine "positive Zukunft" des Werks glauben und ob sie dem Betriebsrat ihr Mandat erteilen, mit der Unternehmensleitung zur "Kostensenkung einschließlich Lohn- und Gehaltsanpassungen" zu verhandeln. Alternativ können die Mitarbeiter ihr Kreuz auch hinter folgenden Vorschlag setzen: "Ich bin zu keiner Verschlechterung meines Dienstverhältnisses bereit. Die Konsequenzen für mich persönlich und für das Unternehmen sind mir bewusst." Die Abstimmung ist nicht anonym.

Keine Bestandsgarantie

In dem beigelegten, von Vorstand Silvio Kirchmair unterzeichneten, Brief (liegt - so wie auch der Fragebogen der Redaktion vor) heißt es zur Begründung: "Der Standort Amstetten ist zwar in qualitativer Hinsicht wettbewerbsfähig, allerdings sowohl in der Produktion als auch in den produktionsnahen Bereichen und in den Markteinheiten vergleichsweise zu teuer. Wir möchten den Standort erhalten und in eine Lage versetzen, auch in den nächsten Jahren erfolgreich unternehmerisch aktiv zu sein." In einer späteren Passage werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen: Von veränderten Arbeitszeitmodellen, bis hin zum Aussetzen von künftigen Gehaltserhöhungen ist da die Rede. Eine Bestandsgarantie sei dies dennoch nicht, aber jedenfalls ein "Chance".

Sollten sich die Mitarbeiter mehrheitlich gegen "Beiträge zur Verbesserung der Kostenstruktur entscheiden, müsste das Produktionsvolumen am niederösterreichischen Standort zu Gunsten anderer wettbewerbsfähiger Umdasch-Standorte reduziert werden. Im schlimmsten Fall könnten die dadurch entstehenden rückläufigen Absatzleistungen zur Schließung des Standortes führen.

In einem Schreiben an den Standard zeigt sich ein Mitarbeiter "bestürzt und traurig", wie mit der Belegschaft umgegangen werde. Sowohl der Brief als auch der Abstimmungszettel seien eher Erpressung als Wahlmöglichkeit.

Kritik von der Gewerkschaft

Und auch die Gewerkschaft reagierte: "Der Plan, die Beschäftigten über ihre Arbeitsplätze abstimmen zu lassen, eignet sich bestenfalls für einen Kinofilm, aber ganz sicher nicht für die reale Arbeitswelt in Österreich," kommentierte Karl Proyer die Vorgehensweise von Umdasch. Und weiter: "Sollte die Geschäftsführung der Umdasch-Tochter Shopfitting den Lohn- und Gehaltskürzungsplan tatsächlich umsetzen, werden wir alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um das zu verhindern. Kollektivverträge und auch kollektivvertragliche Lohn- und Gehaltserhöhungen sind kein betrieblicher Spielball. Diese Sache ist noch lange nicht erledigt."

Die Niederösterreicher haben mit 2013 ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Während die Schalungstechniker vom Tochter-Unternehmen Doka mehr umsetzten, schrumpfte die Ladenbau-Division Umdasch Shoppfitting stark und schrieb unterm Strich Verluste. Grund für den Rückgang ist laut Unternehmensangaben die stark rückläufige Nachfrage nach Ladenbau-Lösungen und hier vor allem die Zurückhaltung von Modehändlern. Umdasch beschäftigte im Vorjahr rund 7.400 Menschen, davon arbeiteten rund 2.770 in Österreich, der Großteil davon, nämlich etwa 2.000 Personen, in Amstetten.

Wie es weitergehen soll, wird wohl die Auszählung der Abstimmung zeigen. Das Ergebnis soll am Freitag vorliegen. Das Unternehmen war bislang für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (ch, derStandard.at, 13.11.2014)

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