Lebensmittelhandel laut EuGH bei Salmonellen auch für Fremdware haftbar

13. November 2014, 11:20
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Tiroler Filialleiterin bekam Geldstrafe, nachdem verpacktes Putenfleisch bei Kontrolle auffiel - Gerichtshof: Schutz der Bevölkerung muss auf allen Vertriebsstufen gewährleistet sein

Luxemburg/Brüssel/Wien - Lebensmittelhändler sind auch dann für die Unbedenklichkeit ihrer Ware verantwortlich, wenn diese von anderen Unternehmen produziert und verpackt wurde. Dies stellte der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag in einem Urteil fest. Anlass war der Fall einer Tiroler Filialleiterin, der nach einer mit Salmonellen kontaminierte Fleischprobe von den Behörden eine Geldstrafe auferlegt worden war.

So leitet die Klägerin in Tirol eine Lebensmittelfiliale der Supermarktkette MPREIS. 2012 stellte die Lebensmittelaufsicht in ihrer Filiale bei einer Probe von vakuumiertem Putenfrischfleisch Salmonellen fest und klassifizierte das Fleisch deshalb als für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet.

Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck leiteten daraufhin gegen die Frau ein Verfahren wegen Nichtbeachtung lebensmittelrechtlicher Vorschriften ein und verhängte eine Geldstrafe gegen die Filialleiterin. Das betroffene Putenfleisch war allerdings von einem anderen Unternehmen als MPREIS produziert und verpackt worden.

Eindeutige Antwort

Mit diesem Hinweise setzte sich die Frau vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat in Tirol gegen die Geldstrafe zur Wehr. Dieser beauftragte den EuGH mit der Klärung der Frage (C-443/13), wie weit die Verantwortlichkeit von Lebensmittelhändlern reicht.

Und die Antwort fällt eindeutig aus: Frisches Geflügelfleisch müsse während der Haltbarkeitsdauer das für Salmonellen geltende mikrobiologische Kriterium auf allen Vertriebsstufen erfüllen - einschließlich des Einzelhandels, so der Gerichtshof. Würde diese Kette nicht auf allen Vertriebsstufen verpflichtend eingehalten werden, liefe dies dem hohen Schutzniveau der Bevölkerung zuwider.

Deshalb könnte auch im gegenständlichen Fall Händlern eine Strafe auferlegt werden - schließlich müssten die EU-Ländern bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht wirksame und abschreckende Sanktionen vorsehen, so der EuGH. Die österreichische Regelung der Geldstrafe kann dieses Kriterium erfüllen, wenn die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird. (APA, 13.11.2014)

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