Junge Wilde und alte Haudegen beim Salzburger Bergfilmfestival

13. November 2014, 14:01
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Freeskier, Profikletterer, Grenzgängerinnen, Bike-Bergsteiger und 8.000er-Erstbesteiger beehren die 21. Ausgabe von "Abenteuer Berg – Abenteuer Film"

Es ist ein Fixtermin für viele Bergbegeisterte in Westösterreich und Bayern: Zum 21. Mal geht zwischen 20. November und 8. Dezember das Salzburger Bergfilmfestival "Abenteuer Berg – Abenteuer Film" im "Das Kino" über die Bühne. Junge Wilde und alte Haudegen geben sich beim diesjährigen Vortragsprogramm die Türschnalle in die Hand. Das Festival gibt einen Einblick in vielfältige Bereiche des Bergfilms: angefangen bei Porträts bekannter Bergsteiger über aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme bis hin zu Extremsportfilmen mit Freeskiing, Eisklettern und schwindelerregender Paragleitakrobatik.

Spannung verspricht der Tichy-Abend am 21. November anlässlich der Erstbesteigung des 8.201 Meter hohen Cho Oyu vor 60 Jahren durch Herbert Tichy, Pasang Dawa Lama und Sepp Jöchler. Die Rolle Tichys in der Zeit des Nationalsozialismus sorgte erst unlängst für Diskussionen, DER STANDARD berichtete. Der Vorsitzende der Tichy-Gesellschaft, Herwig Frisch, wird Tichy biografisch und anhand seiner 26 Bücher vorstellen. Anschließend an den Film "Herbert Tichy – Wanderer zwischen den Welten" von Lutz Maurer wird es ein Podiumsgespräch zur Person und Bedeutung Tichys geben.

foto: christine eberl

Eine Vortragspremiere erwartet die Zuschauer am Sonntag, dem 7. Dezember: Gertrude Reinisch-Indrich und Christine Eberl berichten erstmals über ihr Projekt "Grenzgänge". 25 Jahre nach dem Abbau der Grenzanlagen im Osten versuchten die zwei Frauen, Österreich exakt entlang des 3.200 Kilometer langen Grenzverlaufs abzugehen oder mit dem Rad zu befahren. In Summe hatten die zwei Frauen gut 120.000 Höhenmeter zu bewältigen. Die 62-jährige Journalistin Reinisch-Indrich und die 57-jährige Lehrerin Eberl haben dafür rund 120 Tagesetappen einkalkuliert.

foto: hansjörg auer

Ebenfalls erstmals in Salzburg zu Gast ist der Tiroler Hansjörg Auer. Der Kletterpartner von David Lama gehört seit einiger Zeit zur absoluten Weltspitze. Sein Ziel ist es, die beste Sportklettertechnik in den obersten Schwierigkeitsgraden im alpinen Gelände umzusetzen. In seinem Vortrag "Tiefblick" nimmt der 30-jährige Mathematik- und Sportlehrer am Freitag, dem 28. November die Besucher mit auf die schwierigsten Routen, aber auch zu einer Big-Wall-Expedition auf Baffin Island.

foto: franz walter

Am Samstag, dem 22. November entführt die deutsche Topkletterin und Profibergsteigerin Ines Papert mit ihrem Vortrag "Neuland" die Zuschauer in die Welt ihrer Abenteuer. Aufgehängt an aktuellen Unternehmungen erhält der Zuschauer eine emotionale Dokumentation über das Leben und die Abenteuer einer Frau, die im Klettern ihre Erfüllung und Bestimmung gefunden hat.

foto: andreas vigl

Zu den Jungen Wilden kann man Matthias Mayr und Sandra Lahnsteiner zählen. Am Mittwoch, dem 26. November nehmen die beiden österreichischen Freeskier mit drei Filmen das Publikum mit auf eine große Skireise vom steirischen Loser bis nach Neuseeland.

foto: harald philipp

Auf der Suche nach den Grenzen, den Extremen ist der Salzburger Bike-Bergsteiger Harald Philipp. Er gehört zu jener Gattung Mountainbiker, die noch mit dem Rad unterwegs sind, wo andere schon Probleme auf allen vieren bekommen. Seine Disziplinen sind Abenteuertouren und Gipfelbefahrungen, seine Radwege sind Pfade und Klettersteige, seine Ergebnislisten sind Gipfelbücher. Am Mittwoch, dem 3. Dezember ist er zu Gast beim Bergfilmfestival.

foto: markus amon

Wie es ist, mit Skiern von einem Achttausender abzufahren, erzählt der Pinzgauer Bergführer und Flugretter Markus Amon am Samstag, dem 6. Dezember. Er war 2013 mit Skiern auf dem Manaslu, dem "Berg der Seele", wie Amon den 8.163 Meter hohen Gipfel nennt. Seine Expedition folgte den Spuren des Pioniers Peter Wörgötter aus Saalfelden, der 1981 auf dem Manaslu die erste Skibefahrung eines Achttausenders hinlegte.

Zu den echten Haudegen gehört Wolfgang Nairz, er wird das Festival dieses Jahr eröffnen. 1978 leitete er eine der erfolgreichsten Mount-Everest-Expeditionen aller Zeiten, in deren Verlauf Reinhold Messner und Peter Habeler die erste Besteigung des Everests "by fair means" gelang. Auch mit dabei ist Alpinlegende Kurt Diemberger. Der Film über Diemberger anlässlich der Verleihung des Piolet d'Or – sozusagen der Oscar der Bergsteigerszene –, "Berg der Kristalle", wird erstmals in Österreich gezeigt. (Stefanie Ruep, derStandard.at, 13.11.2014)

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